Europäischer Freiwilligendienst (EFD/EVS)

Johanna macht einen Europäischen Freiwilligendienst EFD

Mich begeistert die Idee, Jugendliche aus ganz Europa kennenzulernen

Johanna (19) ist für neun Monate mit dem Europäischen Freiwilligendienst (EFD) in Moldawien. Als Freiwillige des Zentrums für Freiwilligen-, Friedens- und Zivildienst (ZFFZ) engagiert sie sich in der Tagesstätte "Dorinta" für behinderte Kinder. Sie erzählt, wie ein Auslandsdienst mit dem EFD abläuft.

 

Was mich an einem freiwilligen Jahr im Ausland begeisterte, war die Idee, mit jungen Menschen aus ganz Europa zusammenzuarbeiten. Beim Europäischen Freiwilligendienst (EFD) muss man keinen Spenderkreis aufbauen wie bei vielen anderen Organisationen. Die Versicherungen, die Unterkunft, das Taschengeld und die Seminare sind kostenlos.

Nur bei den Reisekosten muss man bis zu zehn Prozent beisteuern, das war bei mir aber nicht der Fall. Der einzige Nachteil am EFD ist, dass die EU, die den Dienst finanziert, den Förderantrag annehmen muss. Das kann dauern und es kann passieren, dass der Antrag abgelehnt wird, weil es nur eine bestimmt Anzahl an Förderplätzen pro Land gibt. Den Kontakt zur EU stellt die Entsendeorganisation her.

Info Box

Info: Europäischer Freiwilligendienst (EFD)

Der Europäische Freiwilligendienst (EFD) möchte europäische Solidarität und das gegenseitige Verständnis unter jungen Menschen fördern. Freiwillige setzen sich auf den Begleitseminaren mit europäischen Themen auseinander. Der EFD wird über das EU-Programm "Erasmus+" gefördert. EFD wird international EVS (Europeam Voluntary Service) abgekürzt. Freiwillige bewerben sich zunächst direkt bei anerkannten Entsendeorganisationen und dann gezielt auf einzelne Projekte.

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Länder
Inhalt: 

alle EU-Mitgliedsstaaten sowie Island, Liechtenstein, Mazedonien, Norwegen, Türkei, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Republik Kosovo, Montenegro, Serbien, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldawien, Ukraine, Weißrussland, Algerien, Ägypten, Israel, Jordanien, Libanon, Libyen, Marokko, Palästina, Syrien, Tunesien, Russische Föderation

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Dauer
Inhalt: 

2 bis 12 Monate

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Voraussetzungen
Inhalt: 

Alter zwischen 17 und 30 Jahren

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Tätigkeitsbereiche
Inhalt: 

Kultur, Politik und Verwaltung, Kinder und Jugendliche, Pflege, Soziale Dienste, Natur- und Umweltschutz, Frieden und Entwicklung, Senioren, Schule

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Finanzielles
Inhalt: 
  • Eigenanteil an Reisekosten: bis zu 10 Prozent
  • EFD übernimmt Kosten für begleitende Seminare, Versicherungen, Verpflegung, ortsübliche Unterkunft im Einsatzland, Mentoren/Anleitung vor Ort
  • Taschengeld: etwa 100 Euro im Monat (je nach Einsatzland)
  • Gesetzlicher Anspruch auf Kindergeld besteht weiter
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Seminare
Inhalt: 

Vorbereitungsseminar (1-4 Tage), Einführungsseminar (im Schnitt 7 Tage) ein Zwischenauswertungsseminar (zirka 2,5 Tage) und ein Nachbereitungsseminar (2 Tage)

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Urlaub
Inhalt: 

2 Tage pro Monat

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Weitere Infos

Früh für den Europäischen Freiwilligendienst bewerben

Ich habe mich auf der Internetseite "go4europe.de" über den EFD informiert. Dort durchforstete ich die Datenbank mit allen aktuellen Projekten und Entsendeorganisationen. Ich verschaffte mir einen Überblick über die aktuellen Projekte und bewarb mich beim "Zentrum für Freiwilligen-, Friedens- und Zivildienst" (ZFFZ) in Kassel. Erst wenn man die Zusage einer Entsendeorganisation hat, kann man sich auf konkrete Projekte bewerben. Man sollte sich frühzeitig auf den Europäischen Freiwilligendienst bewerben. Bei mir dauerte es über acht Monate, bis wirklich fest stand, dass der Freiwilligendienst stattfinden würde.

In der Bewerbung ans ZFFZ musste ich einen langen Bewerbungsbogen auf Englisch ausfüllen, in dem ich meine Erfahrungen in der Kinder-und Jugendarbeit, Motivation, Stärken und Schwächen beschrieben habe. Neben dem Bewerbungsbogen, einem Motivationsschreiben auf Deutsch und Englisch und dem Lebenslauf, musste ich zwei Referenzen von meinen Lehrern oder einem Pfarrer einreichen.

Tipps für Freiwillige zur Projektsuche

Ende Oktober hatte ich mich beworben, Anfang Februar erhielt ich eine Einladung zu einer Informationsveranstaltung im ZFFZ. Dort bestätigte man uns sechs Freiwilligen, dass wir offiziell aufgenommen waren und uns jetzt nur noch ein Projekt im Ausland suchen müssten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde war klar, dass die meisten in ein englisch- oder französischsprachiges Land wollten. Keiner wollte nach Osteuropa.

Die Mitarbeiter vom ZFFZ gaben uns Tipps für die Projektsuche. Sie erklärten uns, dass man die Projekte in der Internet-Datenbank (www.go4.europe.de oder http://europa.eu/youth/evs_database) am besten nach dem Aktualisierungsdatum sortiert. Je aktueller das Projekt, umso wahrscheinlicher ist es, dass das Projekt noch nicht so viele Bewerber hat. Ein anderer Tipp war die Webseite "youthnetworks.net", die Projekte auflistet, die noch dringend Bewerber suchen.

Was die Chancen einer Bewerbung erhöht 

Bei der Projekt-Bewerbung ist es wichtig, die Stellenausschreibung genau zu lesen und die Bewerbung wirklich auf das Projekt zuschneiden. Manche Projekte haben zum Beispiel extra Bewerbungsbögen, andere wollen nur ein Motivationsschreiben und den Lebenslauf, andere verlangen Referenzen. Vor der Bewerbung ist es hilfreich, bei den Organisationen anzurufen, sich nach Bewerbungsfristen zu erkundigen und vielleicht schon mal ein paar kluge Fragen zu stellen, wie zu Beispiel: Wie ist die Unterbringung? Welche Arbeitszeiten hat man? Gibt es auch andere Freiwillige? Das erhöht die Bewerbungschancen.

Statt England ein Freiwilligendienst in Moldawien

Eigentlich wollte ich nach England, aber weil die Chancen in anderen Ländern oft höher sind bewarb mich auch in Portugal, Norwegen, Finnland, Litauen, Tschechien, der Slowakei und in Moldawien. Keine zwei Tage nach meiner Bewerbung in Moldawien hatte ich eine Zusage.

Jetzt arbeite ich in einer Tagesstätte für behinderte Kinder in der kleinen Stadt Călărași, die etwa 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Chişinău liegt. Neben meine Projekt im Ausland habe ich auch noch eine koordinierende Organisation – ADVIT, die mich anfangs mit allen nötigem Infomaterial versorgte. Darunter war auch ein von anderen Freiwilligen gestalteter Stadtplan der Hauptstadt mit nützlichen Tipps. Außerdem noch eine Packliste (Bettwäsche, Handy, usw.). Ich konnte erst mal mit meinem Reisepass einreisen und ADVIT organisierte dann ein Visum für mich.

Das freiwillige Jahr wird gut vorbereitet

Da ich für dieses Jahr die einzige EFD-Freiwillige des ZFFZ war und meine Ausreise kurzfristig erfolgte, konnte ich nicht mehr an einem Entsendeseminar teilnehmen. Ich traf mich stattdessen mit meinem Mentor vom ZFFZ für einen Vormittag und klärte alles Wichtige. Mein Mentor gab mir ausführliches Informationsmaterial von der EU und wir klärten offene Fragen wie Arbeitszeiten, Versicherungen und wer meine Ansprechpartner in Moldawien sein würden.

Ich hatte wirklich Schwierigkeiten mir eines der ärmsten Länder Europas vorzustellen. Um mich auf mein Projekt vorzubereiten las ich den Blog eines Freiwilligen, der vor mir in Moldawien war. Von ADVIT bekam ich auch E-Mail-Adressen von Ehemaligen, die ich mit Fragen löchern konnten. Vor meiner Abreise besuchte ich keinen Sprachkurs, aber ich lernte mit einem Rumänisch-Lehrbuch schon mal erste Worte wie „bitte“ und „danke“.

Immer wieder Treffen mit anderen Freiwilligen

An einem warmen September Nachmittag ist mein Flugzeug in der Hauptstadt Chişinău gelandet. Dort wurde ich abgeholt. Ich lebe in Călărași nur zehn Minuten Fußweg von meinem Projekt entfernt mit einer Mitbewohnerin aus Spanien in einer kleinen Einzimmerwohnung.

In einem 30-stündigen Sprachkurs habe ich erste Rumänisch-Grundkenntnisse erworben, aber richtig gelernt habe ich die Sprache im täglichen Umgang mit Menschen. Die anderen Freiwilligen konnte ich zum ersten Mal beim "On-Arrival-Training" kennen lernen. Das habe ich sehr genossen. Das Seminar ist fester Bestandteil des EFDs und es war eine der besten Zeiten während meines Freiwilligendienstes. Ich fuhr mit 20 anderen Freiwilligen in das kleine moldawische Dorf Lalova. Wir sollten zum Beispiel aufmalen, wo wir uns in unserem Projekt sehen, was unsere Aufgaben sind, und wie es uns bei der Arbeit geht. Außerdem diskutierten wir in Gruppen mögliche Konflikte, auf die wir während unseres Dienstes stoßen könnten und erarbeiteten Lösungsansätze.

In dem Freiwilligenjahr viel gelernt

Ende Februar war unser "Mid-Term-Meeting", das zweite Seminar im Rahmen des EFD. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus und kochten gemeinsam Placinta, das ist ein rumänischer Käsekuchen. In einer Übung sollten wir verschiedene Gegenstände zeigen, die unseren Lernfortschritt symbolisieren. Ich habe zum Beispiel ein Rumänisch-Buch mitgebracht (Sprachkenntnisse) und eine Blume (für den Spaß, den ich mit den Kindern habe).

Besonders gut fand ich, dass sich die Leiter viel Zeit für einzelne Freiwillige und ihre Probleme genommen haben. ADVIT organisiert auch Exkursionen. Wir waren in dem Dörfchen Donici und besuchten das Kloster Curchi. Außerdem nahmen wir an einer Informationsveranstaltung im Zentrum für Aids Kranke teil und lernten etwas über die Situation HIV-Kranker in Moldawien. Ich besuchte auch ein eintägiges Seminar für Freiwillige, die mit Kindern arbeiten. Wir lernten neue Spiele kennen und tauschten uns über unsere Erfahrungen aus.

Ich freue mich schon sehr auf mein Rückkehrer-Event, weil ich dort Freiwillige treffen werde, die auch in anderen Ländern waren. Es wird bestimmt super spannend ihre Geschichten zu hören.

Protokoll: Katrin Langhans

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