Einsteiger-Tipps für Freiwillige

Mit großen Erwartungen beginnen viele ihren Freiwilligendienst. Doch der Start ist nicht immer einfach. Vier Tipps für die ersten Wochen im Dienst.
Foto: Getty Images/iStockphoto/shironosov
Der Start in den Freiwilligendienst ist oftmals ein Sprung ins kalte Wasser.

Endlich geht's los. Mit großen Erwartungen beginnst du deinen Freiwilligendienst. Eine spannende Zeit liegt vor dir. Alles ist neu. Vieles ist anders. Naja, vielleicht auch nicht so, wie du dir das erhofft hast. Keine Sorge: Selbst bei Enttäuschungen oder Rückschlägen tun sich immer wieder neue Möglichkeiten auf. Für deine ersten Wochen im Dienst haben wir vier Tipps, wie du typische Probleme vermeiden kannst.

 

1. Tipp:
Keine zu hohen Erwartungen haben

Was hatte sich Christina für ihr Diakonisches Jahr in einer dänischen Begegnungsstätte für Alte nicht alles vorgenommen: Einen Chor könnte sie gründen. Eine Brettspielegruppe. Wie wäre es mit einem Computerkurs? Doch als sie dann in Kopenhagen angekommen war, musste sie sich Namen und Gesichter von ungefähr siebzig Gästen und dazu noch etlichen Mitarbeitern merken. Und was meinte die alte Dame, die ständig darauf beharrte: "Danske sygeplejerske har meget mere kendskab end tyske?" Christina flüchtete sich in praktische Tätigkeiten: Beim Spülmaschine Aus- und Einräumen hatte sie immerhin etwas zu tun und saß nicht gelangweilt in der Gegend herum. Wollte sie so ihren Freiwilligendienst verbringen? Sich ein ganzes Jahr mit Aufgaben langweilen, die jeder andere genau so gut hätte erledigen können? Elke war zu Beginn ihres Diakonischen Jahr in einer Kirchengemeinde in Schweden ähnlich frustriert: "Gerne hätte ich eine Theater-AG zum Thema Harry Potter gemacht. Aber das Projekt wäre zu groß gewesen: Die Sprache, das ganze Stück zu schreiben. Als 19-Jährige kann man nicht ohne gute Anleitung mal eben in Schweden eine Theatergruppe aufziehen, das ist einfach sauviel Arbeit."
 

2. Tipp:
Realistische Vorstellungen entwickeln

Wie Christina und Elke ergeht es vielen Freiwilligen, die mit viel Enthusiasmus ihren Dienst antreten: Hohe Erwartungen an sich selbst, tausend Ideen, was man alles machen könnte – und dann die nüchterne Realität. Eine herbe Enttäuschung, und die gleich zu Beginn. Vielleicht sind solche Erfahrungen nicht immer zu vermeiden. Aber zumindest kannst du dich innerlich darauf einstellen und dich entsprechend vorbereiten. So schlägt Elisabeth Freise, Referentin für das Ostprogramm beim Internationalen Christlichen Friedensdienst Eirene, vor: "Ob die Freiwilligen realistische Vorstellungen haben, hängt von ihren Fähigkeiten und ihrer Erwartungshaltung ab, aber auch sehr von ihrer Vorbereitung. Über Projektberichte können sie sich zum Beispiel über die Erfahrungen ihrer Vorgänger informieren." Auch Kontakt zu anderen ehemaligen Freiwilligen hilft dir bei der Einschätzung, was dich im Freiwilligendienst erwartet. Experten, die auf Ausreiseseminaren Grundlagen über deinen Einsatzbereich vermitteln, geben dir Tipps, was genau du als Freiwilliger tun kannst – und was eben nicht. Und vielleicht hast du sogar noch Lust und Zeit ein paar Tage, in einer Einrichtung in deinem Heimatort zu hospitieren, die deiner Einsatzstelle gleicht. Elke hat jedenfalls einiges dazu gelernt. "Man muss sich nicht an Mammutprojekte machen. Mehr ist nicht immer besser. Kleinere Projekte sind einfacher durchzuführen. Und man sollte überlegen: Was will ich wirklich und ist im Projekt Raum dafür?"

 

3. Tipp:
Mut zur Initiative bewahren

Als Freiwilliger solltest du dich dennoch nicht damit zufrieden geben, eine reine Arbeitskraft zu sein. Zwar helfen am Anfang alltägliche Aufgaben dabei, den Arbeitsplatz kennen zu lernen. Zu einem Freiwilligendienst als Lerndienst gehört aber auch, dass du Ideen in Eigeninitiative umsetzt. Dabei kannst du als Freiwilliger über folgende Fragen nachdenken und sie mit deinen Kollegen besprechen:

  • Passt meine Idee zu meiner Einsatzstelle?
  • Wie lässt sie sich umsetzen?
  • Wer kann mir an meinem Arbeitsplatz dabei helfen?

Als Freiwilliger kannst du dich ausprobieren. Dass Dinge nicht klappen, gehört dazu. Christina rief eine Brettspielegruppe ins Leben – ein 85jähriger Mann kam ihr zuliebe, schien aber nicht viel Spaß an Mensch-ärgere-dich-nicht zu haben. Stattdessen brachte sie diesem Mann bei, seinen Enkelkindern E-Mails zu schreiben. Und Christinas Chefin sagte beim Abschied: "Du konntest dich mit genau den Leuten gut unterhalten, mit denen ich nicht klarkomme. Das war sehr praktisch."
 

4. Tipp:
Nicht aufgeben!

Etwas anders erging es Friederike. Als sie nach dem Abitur ein viermonatiges Volontariat in einem Kinderheim in Brasilien leistete, war sie zunächst genervt, dass Mitarbeiter sie mit früheren Volontären verglichen. "Ja, hab ich gedacht, die haben viele tolle Sachen gemacht. Ich kann das nun mal nicht." Kein Grund aufzugeben. Auch Friederike hat Möglichkeiten gefunden, sich einzubringen: "Einem siebenjährigen Jungen habe ich Nachhilfe in Lesen und Rechnen gegeben, nachmittags haben meine Mitpraktikantin und ich Spiele organisiert. Das war dann zum Beispiel eine Rallye durchs Dorf, eine Art Zetteljagd, an der ungefähr 20 Kinder teilgenommen haben. Ich habe auch was gemacht. Es war gut, dass ich da war."

 

Last-Minute Angebote