Kranke Menschen

Ein Tag mit Ferdinand im Krankenhaus

Ferdinand (21) macht einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in der Berliner Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, in der psychisch Kranke betreut werden
 

7:30

Nach 40 Minuten mit U- und S-Bahn bin ich im Krankenhaus angekommen. Ich bin in der Station 1 beschäftigt, wo etwa 25 Patienten untergebracht sind. Meine erste Aufgabe morgens ist es, beim Frühstück zu helfen: Stullen schmieren, Teller und Besteck herausholen und die Tische decken. Jeweils fünf oder sechs Patienten sitzen an einem Tisch.

7:50

Die Krankenschwestern haben mittlerweile bei den Patienten die Morgenwäsche gemacht und bringen sie nach und nach in den Frühstücksraum. Einige müssen motiviert werden, denen sagen ich dann „trinken Sie doch mal“ oder „essen Sie doch noch eine Stulle“. Bei manchen Patienten muss ich notieren, wieviel sie trinken und was sie zum Beispiel an Suppe, Joghurt oder Obst zu sich nehmen. Anderen reiche ich das Essen, weil sie in ihren Bewegungen stark eingeschränkt sind. Das Frühstück kann sich manchmal ziemlich lange hinziehen.

9:20

Nach dem Frühstück bleiben manche Patienten ein Weilchen am Tisch sitzen. Andere gehen alleine aufs Zimmer, einige begleite ich zurück. Vorher prüfe ich, ob sie alle ihre genommen haben.

Info Box

Tätigkeitsbereich "Kranke Menschen"
Label / Titel: 
Typische Einsatzbereiche
Inhalt: 

Krankenhäuser, Kliniken, Pflegeheime, Altenheime, Sozialstationen, ambulante / häusliche Pflegedienste, Tagespflegestätten

Label / Titel: 
Was macht man da alles?
Inhalt: 

Grundpflege, Mahlzeiten austeilen und beim Essen helfen, Patienten motivieren und beaufsichtigen, Beschäftigungsspiele und Übungen mit Patienten machen, Patienten bei medizinischen Untersuchungen begleiten, Botengänge erledigen, mit Patienten spazieren gehen, mit Patienten Gespräche führen, Schwestern und Pfleger unterstützen, hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Betten beziehen oder Zimmer aufräumen

Label / Titel: 
Was sollte ich für diese Tätigkeit mitbringen?
Inhalt: 

Geduld, gute Nerven, Arbeit und Privates gut trennen können, Einfühlungsvermögen, Lebensfreude, Kreativität, Flexibilität, sich gut auf neue Situationen und Menschen einstellen können

Label / Titel: 
Was bringt mir das?
Inhalt: 

Selbstvertrauen, besseres Kommunikationsverhalten, umfassender Einblick in die Arbeit einer Pflegeeinrichtung, Menschenkenntnis, Selbstständigkeit und man lernt sich durchzusetzen und Grenzen zu setzen

9:40

Ich habe Pause: Frühstückszeit für das Pflegepersonal und mich. Wir bereden dabei auch, was ich im Laufe des Tages noch tun kann.

10:00

Vormittags stehen so genannte Aktivierungsgruppen auf dem Programm. Manchmal begleite ich Patienten auch zu Untersuchungen bei auswärtigen Ärzten. Bei den Gruppenstunden mache ich mit den Patienten Wort- oder Gedächtnisübungen. Zum Beispiel sage ich den Anfang eines Sprichwortes und sie vervollständigen den Satz. Oder wir machen Bewegungsübungen mit einem Ball. Es gibt weitere Gruppen, die von ausgebildeten Bewegungstherapeuten geleitet werden.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass ich mit den Patienten ganz gut umgehen kann. Ich darf sie auch mit unserem Haustransport zu Untersuchungen in Arztpraxen begleiten. Unterwegs beruhige ich die Patienten und rede ihnen gut zu, dass die Untersuchung sicher nicht schlimm sein wird. Manche brauchen auch einfach nur eine vertraute Person, die bei ihnen ist.

11:30

Mittagessen gibt es ziemlich früh. Das Essen kriegen wir von einer externen Küche. Die Patienten haben immer drei Menüs zur Auswahl. Ich kläre mit ihnen ab, was sie haben wollen. Wer alleine essen kann, geht zum Buffetwagen und kann selbst entscheiden. Ansonsten unterstütze ich die Patienten wie beim Frühstück beim Essen und schreibe Trinkprotokolle. Schwerkranken Patienten bringe ich das Essen aufs Zimmer.

12:30

Mittagspause: Ich esse mit den Schwestern und Pflegern. Die Patienten sind jetzt auf ihren Zimmer und haben Mittagsruhe. Ich nutze die Pause und entspanne mich noch etwas in dem schön begrünten Innenhof. Ich habe übrigens auch einen Pieper – so wie alle Pflegekräfte im Krankenhaus. Wenn es Stress mit aggressiven Patienten gibt, kann ich darüber Hilfe holen. Ich drücke den Knopf und alarmiere damit Schwestern und Pfleger. Die kommen mir dann sofort zu Hilfe. Aber davon habe ich noch nicht oft gebrauch gemacht.

13:30

Während die Krankenschwestern ihre Übergabe von der Früh- zur Spätschicht machen, passe ich auf die Patienten auf. Ich schaue, dass alles ruhig bleibt; wenn jemand Hilfe braucht, bin ich da.

14:30

Die Mittagsruhe ist vorbei. Die Patienten bekommen jetzt Kaffee und an zwei Tagen in der Woche auch Kuchen. Freitags gibt es sogar selbstgemachten Kuchen, den Patienten als mit einer Beschäftigungstherapeutin backen. Nachmittags erledige ich hin und wieder für Patienten auch Patienten Einkäufe: zum Beispiel Cola, Zigaretten oder Zeitungen. Oder ich gehe mit Patienten in den Garten. Manchmal werde ich auch für eine Eins-zu-Eins-Betreuung gerufen, wenn ein Patient ständige Aufsicht braucht. Das kann auch mal auf einer der anderen drei Stationen in der Klinik sein.

16:00

Feierabend, ich gehe zur U-Bahn. Was ich im Laufe der Zeit gelernt habe: Nie die Erlebnisse von meiner Arbeit mit nach Hause nehmen. 

Protokoll: Klaus Martin Höfer
 

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