Start ins Freiwilligenjahr: Ratschläge für die Neuen

Für viele beginnt bald das Freiwilligenjahr. Was sollte man vor der Abreise erledigen? Was erwartet einen in den ersten Wochen in der Einsatzstelle? Wir haben ehemalige Freiwillige gefragt, wie ihr Start in den Freiwilligendienst gewesen ist. Und was sie den Neuen raten.
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Koffer packen und in den Freiwilligendienst starten.

Irgendwann ist es soweit. Die Schule ist geschafft. Die Reisetickets sind gebucht. Der Unterstützerkreis ist aufgebaut. Was macht man in den letzten Wochen vor der Abreise? Clara (20), die gerade als Freiwillige in Budweis/Tschechien ist, rät: "Macht euch nicht zu viel Stress." Und sie ergänzt: "Ich habe vor der Abreise ein paar Medikamente und ein Fieberthermometer gekauft, um für den Notfall etwas dabei zu haben. Ansonsten habe ich viel mit meinen Freunden gemacht. Gepackt habe ich einen Tag vorher."

Clara weiß auch, dass das Schwierigste nicht das Vorbereiten, sondern das Abschiednehmen ist: "Mein Freund macht ebenfalls einen Friedensdienst in Oswiecim/Polen und ist am gleichen Tag gefahren. Dieser Abschied fiel mir am schwersten. Ich war froh, als ich im Zug saß und endlich alle Abschiede hinter mir hatte."

Ein Besuch in der Einsatzstelle kann hilfreich sein

Sollte man sich speziell auf den Dienst vorbereiten? Manche Freiwillige besuchen ein paar Monate vor Dienstbeginn schon mal ihr Projekt. Tamara (19), sie macht gerade ein FSJ beim CVJM-Gesamtverband in Kassel, ist vorher nach Hessen gefahren: "Ich wusste, dass mein Vorgesetzter nicht da sein würde, wenn mein Dienst beginnt. Deswegen habe ich dort vorher eine Einführungswoche verbracht und in der WG probegewohnt."
 


Tamara (19)begann im September 2012 ein FSJ beim CVJM-Gesamtverband im Referat Sport in Kassel. Während ihres FSJs hat sie die Europameisterschaft im CVJM-Sport in Malmö mitorganisiert. Außerdem unterrichtete sie zusammen mit einem Sportlehrer an einer Schule in Kassel.

 Tamara (19)
begann im September 2012 ein FSJ beim CVJM-Gesamtverband im Referat Sport in Kassel. Während ihres FSJs hat sie die Europameisterschaft im CVJM-Sport in Malmö mitorganisiert. Außerdem unterrichtete sie zusammen mit einem Sportlehrer an einer Schule in Kassel.



 

 



Im Rückblick sagt sie: "Die Einführungswoche hat mir viel Angst genommen und den Start erleichtert. Es war dann auch gar nicht schlimm, dass am ersten Arbeitstag keiner aus meinem Referat da war. Das übrige Team hat mich gut aufgenommen und es gab sogar ein Willkommensgeschenk."

Auch Nerea (20), sie ist vor Kurzem aus Antwerpen/Belgien zurückgekehrt, hat ihre Einsatzstelle vorher besucht. Für sie war dieser Besuch zwar "hilfreich und beruhigend." Entscheidend aber sei, "dass man etwas über das Projekt weiß und was die eigenen Aufgaben sein werden". Und sie fährt fort: "Ich glaube, es ist nicht gut, sich in den letzten Wochen in Deutschland zu sehr mit dem Projekt zu beschäftigen. Meiner Nachfolgerin habe ich gerade geraten, die letzten Tage in Deutschland zu nutzen und viel zu unternehmen."

Die letzten Wochen mit den Freunden genießen

Genau das hat Clara vor der Abreise zu ihrem Dienst nach Tschechien getan: "Wirklich vorbereitet habe ich mich gar nicht", sagt sie. "Ich habe die letzten Wochen in Deutschland mit meiner Familie und meinen Freunden genossen. Und dann ging es los."

Wenn man im Projekt angekommen ist, hört sich das meist an wie bei Nerea: "Alles war furchtbar aufregend, spannend und neu. Und selbst als es mit den Aufgaben, die für mich vorgesehen waren nicht so passte, haben wir gemeinsam etwas Passenderes gefunden. Mir wurde viel Wahlmöglichkeit gelassen, das fand ich gut."
 


Nerea (20)hat 2012/13 in ihrem FSJ mit Flüchtlingen in Antwerpen/Belgien gearbeitet. Zwei Tage in der Woche leistete sie „Erste Hilfe“ an der Rezeption eines Flüchtlingszentrums, sie gab Auskünfte oder half den Migranten bei Problemen mit Behörden. An den restlichen Tagen arbeitete sie in einem Zentrum für Flüchtlingsfrauen „mit und ohne Papieren“.

 Nerea (20)

hat 2012/13 in ihrem FSJ mit Flüchtlingen in Antwerpen/Belgien gearbeitet. Zwei Tage in der Woche leistete sie "Erste Hilfe" an der Rezeption eines Flüchtlingszentrums, sie gab Auskünfte oder half den Migranten bei Problemen mit Behörden. An den restlichen Tagen arbeitete sie in einem Zentrum für Flüchtlingsfrauen "mit und ohne Papieren".



 



Nerea hat in Antwerpen mit Flüchtlingen und in einem Frauenhaus gearbeitet. Richtig froh war sie über ihre WG. "Ich wohnte mit drei Deutschen und einem Belgier zusammen. Es tat gut, endlich wieder ein eigenes Zimmer zu haben nach all den Seminaren."

Wer einen Freiwilligendienst im Ausland macht, hat oft zu Beginn mehrere Einführungs-Seminare. Meist ist es ein Ausreisekurs in Deutschland und noch ein weiterer im Gastland. Clara sagt im Rückblick: "Zuerst hatten wir zwei Wochen Seminar. Immer so viele Leute um mich herum zu haben, fand ich auf Dauer ziemlich anstrengend. Auch wenn die Seminare super waren!" Sie war froh, als sie endlich in Budweis ankam.

Rausgehen und nicht zu viel in der Bude hocken

"Rausgehen, ganz viel rausgehen und Leute kennenlernen!", sagt Nerea, darauf komme es am Anfang an. Und natürlich sei es gut, sich gleich zu Beginn um einen Sprachkurs zu bemühen. Wichtig war ihr auch, etwas nur für sich zu machen, ohne die Leute vom Projekt oder die Mitbewohner aus der WG. Nerea hat sich bald nach der Ankunft in Antwerpen eine Sportgruppe gesucht.

Clara, die ihr FSJ in der offenen Altenarbeit in Budweis verbracht hat, sieht das ähnlich: "Auf jeden Fall sollte man nicht zu viel zu Hause bleiben." Aber manchmal ist es mit der Sprache nicht so einfach. "Klar ist es von Vorteil, die Landessprache zu sprechen", sagt sie. "Aber Tschechisch ist so schwer, dass man es entweder nach dem Jahr nur ein bisschen kann oder sich jeden Tag richtig hinsetzen muss." Clara hat sich für die erste Variante entschieden: "Mir war es wichtiger, etwas von dem Leben 'draußen' mitzubekommen."

Fragen stellen - und notfalls ruhig auch mal nerven

Für ein FSJ in Deutschland muss man keine neue Sprache lernen. Aber die Erfahrungen sind ganz ähnliche wie im Ausland. Tamara sagt: "Wichtig ist es, sehr offen in das Jahr zu gehen und keine Ängste oder Vorurteile gegenüber dem Job oder der Stadt zu haben."

In ihrem FSJ beim Referat Sport des CVJM-Gesamtverbandes in Kassel hat man ihr von Anfang an viel Verantwortung übertragen. Damit ist sie ganz offensiv umgegangen: "Ich glaube, in meinen ersten Wochen habe ich alle genervt, weil ich jede Kleinigkeit nachgefragt habe. Das war aber auch gut so, weil ich viel Verantwortung übernehmen musste, zum Beispiel als ich für 200 Sportler passende Trikots bestellt habe, da wollte ich nichts falsch machen."

Natürlich läuft nicht immer alles rund. Clara berichtet: "Als ich hier in Budweis ankam, wusste keiner wirklich über mich Bescheid. Meine Aufgaben waren nicht klar. Das war ein etwas misslungener Start, für den aber keiner so richtig etwas konnte."
 


Clara (20)ist seit Herbst 2012 in Budweis/Tschechien. Sie arbeitet in einem Kulturzentrum und in der offenen Altenarbeit. „Ich besuche sechs alte Frauen, die selbst, deren Männer oder Väter Zwangsarbeiter in Deutschland waren. Ich kaufe für sie ein und putze ein wenig, aber meist bin ich einfach zum Reden da.“

Clara (20)

war 2012/2013 als Freiwillige in Budweis/Tschechien. Sie hat in einem Kulturzentrum und in der offenen Altenarbeit gearbeitet.

 

 

 

 



Das Theaterprojekt, in dem sie mitarbeiten wollte, gab es bei ihrer Ankunft nicht mehr. Ihre Mentorin hat sich zwar um ein Ersatzprojekt gekümmert. Aber es gingen ein paar Wochen ins Land, bis sie dort anfangen konnte. Was man da unternimmt? "Ich habe die Zeit genutzt und viele Ausflüge in die Stadt und die Nachbarstädte unternommen. Das fand ich – auch alleine – sehr schön."

Mit anderen Freiwilligen Kontakt halten

Auf Dauer ist das Alleinsein natürlich nicht schön. Nerea musste das in Antwerpen erfahren. Dort hatte sie in den ersten Monaten viel Heimweh. "Ich habe lange gebraucht, ehe ich mir ein eigenes Leben aufgebaut hatte. Ich musste mich daran gewöhnen, niemanden um mich zu haben, den ich schon lange kannte. Das war schwer." Und was macht man in solchen Situationen?

Nerea sagt: "Der Kontakt zu einigen anderen Freiwilligen in Belgien war sehr gut. Die hatte ich beim Anfangs-Seminar in Brüssel kennengelernt. Wir haben entweder gemeinsam etwas unternommen oder über E-Mail Kontakt gehalten." Und nach und nach hat sie "die richtigen Leute kennengelernt. Das hat auch bei Heimweh geholfen." Wenn Nerea heute etwas anders machen könnte, dann würde sie sich: "von Anfang an mehr auf das FSJ einlassen, nicht zu sehr an zu Hause denken und viel mehr den Moment leben."

Autor: Friedemann Sommer