Du möchtest für einen Freiwilligendienst nach Deutschland kommen und das Land kennenlernen? Das ist möglich. Einige Organisationen haben Einsatzstellen für internationale Freiwillige und können eine Unterkunft anbieten.
Es gibt aber nur eine begrenzte Zahl an Plätzen. Die Zahl der Bewerbungen aus dem Ausland übersteigt bei Weitem das Angebot an Stellen. Die Nachfrage ist manchmal so groß, dass nicht immer alle Bewerbungen beantwortet werden können. Wenn du dich bewerben willst, mache das am besten etwa ein Jahr im Voraus.
Voraussetzungen für einen Freiwilligendienst in Deutschland
Wie alt muss ich sein?
- Freiwillige aus dem Ausland müssen volljährig sein (mindestens 18 Jahre).
- Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und Freiwilliges Ökolgogisches Jahr (FÖJ) ist bis maximal 26 Jahre möglich.
- Beim Bundesfreiwilligendienst (BFD) gibt es keine Altersgrenze. Für Incoming-Freiwillige ab 27 Jahre stehen weitaus weniger Plätze zur Verfügung.
Muss ich Deutsch können?
Ja. Wichtig ist, dass du schon etwas Deutsch verstehen und sprechen kannst. Empfohlen werden Sprachkenntnisse, die ungefähr dem Niveau A1 bis B1 entsprechen.
Brauche ich für Deutschland ein Visum?
- Wenn du in der Europäischen Union (EU) lebst, brauchst du in der Regel kein Visum.
- Aus allen anderen Ländern ist meistens ein nationales Visum für Freiwilligendienste nötig. Tipp: Beantrage ein Visum so früh wie möglich. Eine Bearbeitung kann mehrere Monate dauern.
- Der beantragte Zeitraum muss zur vereinbarten Dauer des Freiwilligendienstes passen. Meistens sind das sechs bis zwölf Monate.
Was bedeutet "Freiwilligendienst"?
Freiwilligendienste werden in Deutschland als Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) oder als Bundesfreiwilligendienst (BFD) angeboten werden. Viele Menschen in Deutschland machen einen Freiwilligendienst. Auch Interessierte aus dem Ausland können einen Freiwilligendienst machen. Das nennt man Incoming-Freiwilligendienst.
Wenn du einen Freiwilligendienst machst, arbeitest du für in der Regel ein Jahr in einer sozialen, ökologischen oder kulturellen Einrichtung in Deutschland mit. Du engagierst dich für eine gute Sache. Ein Freiwilligendienst ist wie ein Praktikum. Es ist ein Lerndienst, keine vollwertige Arbeitsstelle. Ein Freiwilligendienst hilft dir, dich beruflich zu orientieren und persönlich weiterzuentwickeln. Du bekommst kein Gehalt, nur ein Taschengeld.
Die Vermittlung eines Freiwilligendienstes kostet kein Geld!
Zahle in deinem Heimatland niemals Geld an jemanden, der dir einen Freiwilligendienst in Deutschland verspricht! Unsere Organisationen arbeiten nicht mit Agenturen oder Sprachschulen im Ausland zusammen. Bei unseren Anbietern musst du dich immer persönlich und direkt bewerben.
WAS FÜR Leistungen bekommen Incoming-Freiwillige?
- UNTERKUNFT:
Die Organisation stellt internationalen Freiwilligen in der Regel eine Unterkunft bereit. Die ist oft direkt bei der Einsatzstelle, manchmal auch bei einer Gastfamilie.
- TASCHENGELD:
Internationale Freiwillige bekommen jeden Monat ein Taschengeld. Die genaue Höhe hängt davon ab, wie die persönliche Situation ist. Manche Einrichtungen zahlen zum Beispiel ein Verpflegungsgeld oder übernehmen Fahrtkosten. Ein Taschengeld ist kein Gehalt. Aber es reicht in der Regel für den Lebensunterhalt in Deutschland aus.
- VERSICHERUNGEN:
Freiwillige in Deutschland bekommen von der Organisation die Krankenversicherung und eine Haftpflichtversicherung bezahlt.
- URLAUB:
Freiwillige haben während dem freiwilligen Jahr Anspruch auf Urlaub (zirka 30 Tage bei 12 Monaten). In dieser Zeit hast du zum Beispiel Gelegenheit zu reisen.
- WEITERBILDUNG:
Für Freiwillige gibt es kostenlose Seminare. Das sind Workshops, die dich fachlich und persönlich weiterbilden. Du lernst andere Freiwillige kennen, kannst Freundschaften schließen und Erfahrungen austauschen.
Was du in der Regel selbst zahlen musst:
- Die Reisekosten und die Kosten für das Visum musst du in der Regel selbst bezahlen.
- Sprachkurse sind in der Regel kein Bestandteil eines Freiwilligendienstes. Oft gibt es aber die Möglichkeit, vor Ort einen Sprachkurs zu besuchen.
Typische Tätigkeitsbereiche für Freiwillige
In Deutschland sind Freiwilligendienste in verschiedenen Bereichen möglich. Tipp: Plätze mit Unterkunft für Incoming-Freiwillige gibt es oftmals bei größeren Einrichtungen im Bereich Pflege und Betreuung. Wenn du dich für Tätigkeiten im Bereich Kranken- und Altenpflege oder in der Betreuung von Menschen mit Behinderungen interessierst, hast du bessere Chancen.
- Frieden und Entwicklung:
Projekte für Zusammenleben, Bildung und soziale Gerechtigkeit
- Geflüchtete:
Unterstützung bei Integration und Alltagshilfe
- Handwerk und Technik:
Reparieren, Haustechnik, Werkstattarbeit
- Kinder und Jugendliche:
Betreuung, Freizeitangebote
- Kirche und Gemeinde:
Mitarbeit in sozialen und kulturellen Angeboten von Kirchengemeinden
- Kultur:
Museen, Veranstaltungen, Theater, Bibliotheken
- Medizin und Pflege:
Krankenhäuser, Pflegeheime, Rehabilitation
- Menschen mit Behinderungen:
Alltagshilfe, Freizeitgestaltung, Betreuung
- Natur und Umwelt:
Naturschutz, ökologische Projekte, Landwirtschaft, Tierparks
- Politik und Verwaltung:
Bürgerprojekte, Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit
- Schule:
Assistenz, Nachhilfe, Begleitung im Unterricht
- Seniorinnen und Senioren:
Alltagshilfe, Pflege, Betreuung
- Service:
Hauswirtschaft, Organisation
- Soziale Dienste:
Beratungsstellen, Hilfsangebote, soziale Arbeit für Menschen in Not
Was ein Freiwilligendienst in Deutschland ist:
- Lernen und praktische Erfahrungen sammeln
- Eine Zeit, um sich persönlich zu entwickeln
- Anderen Menschen helfen und einer guten Sache dienen
- Leben und Arbeiten in einem Team
- Eine neue Sprache und Kultur kennenlernen
Was ein Freiwilligendienst NICHT ist:
- Kein automatisches Bleiberecht für Deutschland nach dem Dienst
- Keine reguläre Arbeitsstelle mit vollem Gehalt
- Kein Sprachkurs: Deutsch lernen erfolgt nebenbei im Freiwilligen-Alltag, manchmal gibt es begleitende Kurse
- Kein reines Reisen oder Tourismus
- Keine Ausbildung, aber eine gute Vorbereitung darauf
Wie Bewerbe ich mich für einen Freiwilligendienst in Deutschland?
Wo kann ich in Deutschland einen Freiwilligendienst machen? Wie bewirbt man sich? Wir erklären es dir Schritt für Schritt.
Schritt 1:
Träger und Einsatzstelle in Deutschland finden
Du musst dir selbst eine Organisation in Deutschland suchen, die Freiwilligendienste für internationale Freiwillige anbietet. Diese Anbieter nennt man auch "Träger". Der Träger organisiert den Freiwilligendienst. Du musst dich jeweils direkt bei den einzelnen Organisationen bewerben. Schau auf den Websites der Träger nach, wann die Bewerbungen spätestens eingehen müssen. Kontakte zu unseren Incoming-Trägern findest du über die Karte auf dieser Seite.
WICHTIG:
Zahle in deinem Heimatland kein Geld an Agenturen oder Leute, die dir einen Freiwilligendienst in Deutschland vermitteln wollen und einen Platz garantieren. Bei unseren Anbietern kann man sich nur direkt und persönlich bewerben. Unsere Organisationen arbeiten nicht mit Agenturen, Sprachschulen oder externen Vermittlern im Ausland zusammen! Es gibt keine Garantie auf einen Platz im Freiwilligendienst.
Schritt 2:
Frühzeitig informieren und bewerben
Plane frühzeitig für einen Freiwilligendienst in Deutschland. Bewirb dich am besten ein Jahr im Voraus. Das Bewerben kann einige Zeit beanspruchen. Insbesondere, wenn du ein Visum für Deutschland brauchst.
Informationen zum Visum und wie man es für Deutschland beantragt, findest du auf der Website der Deutschen Botschaft in deinem Heimatland. Manchmal musst du Wochen oder sogar Monate auf einen Termin warten. Das Visum kostet Geld. Visum und Reisekosten musst du selbst zahlen. Wenn du eine Zusage von einer Trägerorganisation in Deutschland hast, kannst du mit ihrer Hilfe den Visumsantrag selbst stellen. Dafür brauchst du keine Agentur.
Schritt 3:
Bewerbungsunterlagen zusammenstellen
Beim Bewerben brauchst du in der Regel diese Unterlagen:
- Lebenslauf
- Motivationsschreiben
- Zeugnisse
- Kopie deines Reisepasses
- Sprachnachweis Deutsch (A1/B1)
- manchmal auch Impf-Nachweise oder Gesundheitszeugnis
Tipp: Achte darauf, dass Kopien gut lesbar sind.
Schritt 4:
Gezielt bewerben
Schick deine Bewerbung jeweils an die Träger deiner Wahl. Schau auf den Websites der Organisationen nach, welche Unterlagen du für eine Bewerbung brauchst. Das kann von Organisation zu Organisation unterschiedlich sein. Tipp: Versuch dich von der Masse abzuheben. Schick deine Bewerbung gezielt an Organisationen, die Angebote für internationale Freiwillige haben. Deine Aussichten auf Erfolg sind besser, wenn du in deinem Motivationsschreiben und im Anschreiben auf die Anbieter eingehst und persönliches Interesse zeigst.
Schritt 5:
Video-Interview zum Kennenlernen
Nach dem Absenden deiner Bewerbung kann es eine Weile dauern, bis du eine Antwort bekommst. Die Träger müssen oft sehr viele Bewerbungen sichten und beantworten. Wenn du Glück hast, meldet sich der Träger bei dir und lädt dich zu einem Online-Interview ein. Ihr lernt euch kennen und besprecht das weitere Vorgehen.
Schritt 6:
Zusage und Start in Deutschland
Wenn du eine Zusage für den Freiwilligendienst bekommst, helfen dir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Formalitäten. Sie organisieren dir eine Unterkunft und unterstützen dich beim Start in der Einsatzstelle.
Zählt dein Land zum EDYN-Netzwerk?
Manche Länder sind Teil des European Democratic Youth Network (EDYN). Das ist ein ökumenisches und christliches Netzwerk. In diesen Ländern gibt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dich über Freiwilligendienste in Deutschland informieren und beraten. Sie unterstützen dich beim Bewerben.
EDYN-Mitgliedsländer sind:
- Belgien
- Tschechien
- Deutschland
- Frankreich
- Großbritannien
- Ungarn
- Italien
- Lettland
- Polen
- Norwegen
- Rumänien
- Slowakei
- Ukraine
- USA
Weitere Infos:
https://edyn.org
Als "Incoming" werden in Deutschland oftmals Freiwilligendienste für Freiwillige aus dem Ausland bezeichnet. Der Begriff leitet sich aus dem Englischen ab: "Incoming" bedeutet "reinkommen" oder "eingehend". Wenn du dich vom Ausland aus für einen Freiwilligendienst in Deutschland bewerben möchtest, erkennst du Angebote für internationale Freiwillige oftmals an dem Begriff "Incoming".
Wer in Deutschland einen Freiwilligendienst wie zum Beispiel ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) macht, bekommt ein Taschengeld. Das gilt auch für internationale Freiwillige. Wie hoch das Taschengeld für Freiwillige ist, hängt oftmals von der persönlichen Situation, der Einsatzstelle und vom Träger ab.
Freiwillige aus dem Ausland erhalten eine Unterkunft. Oftmals sind sie direkt bei ihrer Einsatzstelle untergebracht, manchmal auch bei Gastfamilien.
Die Kosten für die Hin- und Rückreise und für das Visum musst du in der Regel selbst zahlen.
Internationale Freiwillige bekommen eine Krankenversicherung und eine Haftpflichtversicherung, die der Träger für dich bezahlt. Damit bist du gegen die größten Risiken abgesichert.
Dein Deutsch muss nicht perfekt sein. Es ist jedoch wichtig, dass du schon etwas Deutsch verstehst und sprechen kannst. Wir empfehlen Deutschkenntnisse, die in etwa dem Niveau A2 oder B1 entsprechen. Ein Grundwortschatz erleichtert dir das Ankommen in Deutschland. Mit einem Basis-Wissen kannst du deine Deutschkenntnisse in der praktischen Anwendung im Alltag viel leichter und schneller verbessern.
Einige Trägerorganisationen können Sprachkurse ermöglichen. Das ist jedoch eher die Ausnahme. Freiwillige haben keinen rechtlichen Anspruch auf einen Sprachkurs, denn dieser ist nicht Teil eines Freiwilligendienstes. In Deutschland gibt es jedoch zahlreiche Möglichkeiten, privat Sprachkurse zu besuchen oder online Deutsch zu lernen. In der Regel musst du die Kosten dafür selbst tragen.
Während deines Freiwilligendienstes in Deutschland hast du in der Einsatzstelle und bei der Träger-Organisation immer eine Ansprechperson. Oftmals sind in den Einsatzstellen auch mehrere Freiwillige tätig, mit denen du dich anfreunden und auch in der Freizeit etwas unternehmen kannst. Zudem besuchst du regelmäßig Seminare, bei denen du andere Freiwillige kennenlernst. Du bist also nicht allein.
Freiwillige haben Anspruch auf Urlaub. Wenn du ein freiwilliges Jahr leistest, kannst du insgesamt rund 30 Tage Urlaub nehmen. Du kannst deine Urlaubstage in Absprache mit deiner Einsatzstelle frei einteilen. In der Regel hast du auch an den Wochenenden frei. Somit hast du die Möglichkeit, Reisen durch Deutschland und Europa zu unternehmen.
In der Regel erhältst du innerhalb weniger Tage eine Antwort. Es kann jedoch auch länger dauern, da die Bewerbungen sorgfältig gesichtet und geprüft werden. Derzeit erhalten unsere Organisationen sehr viele Bewerbungen aus dem Ausland. Solltest du nach drei bis vier Wochen noch keine Rückmeldung erhalten haben, erkundige dich bei der Organisation nach dem Stand der Dinge.
Für Freiwilligendienste gibt es in Deutschland kein zentrales Bewerbungsverfahren. Du musst dich immer direkt bei den einzelnen Organisationen bewerben. Die Bewerbungsverfahren können unterschiedlich sein. Informiere dich deshalb direkt bei den Anbietern, wie du dich bei ihnen bewerben kannst.
Ob ein FSJ oder einen BFD als Praktikum anerkannt und angerechnet werden kann, ist je nach Land und Ausbildungsziel unterschiedlich. Erkundige dich in deinem Heimatland bei den entsprechenden Behörden, Organisationen, Schulen oder Universitäten.
Ja, das kann möglich sein, wenn der Träger und die Behörden zustimmen. Ein FSJ oder BFD dauert in der Regel zwölf Monate. Ein Dienst kann auf sechs Monate verkürzt oder bis maximal 18 Monate verlängert werden.
Meistens beginnt ein Freiwilligendienst im Sommer (August/ September). Manche Träger bieten auch Start-Termine im Frühjahr oder auch flexibel während dem Jahr.