Menschen mit Behinderung

Ein Tag mit Anne-Susann in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung

Anne-Susann (15) ist als Freiwillige im Martinstift in Leipzig im Einsatz. In dieser Einrichtung der Diakonie leben etwa 70 Menschen, die von einer geistigen Behinderung betroffen sind. Eine abwechslungsreiche Tätigkeit, bei der es immer wieder Überraschungen geben kann.
 

7:00

Ich habe meistens Frühdienst. Da beginnt der Arbeitstag um sieben Uhr. In unserer Wohngruppe leben zwei Frauen und neun Männer. Morgens beginnen wir mit der Pflege. Wenn wir in die Zimmer kommen, sind die Bewohner meist schon wach. Zusammen mit einer Pflegerin helfe ich den Bewohnern aus dem Bett und dusche sie. Das ist zuweilen ganz witzig, wir machen gern Späße. Oft ist das Radio an und bei einer der Bewohnerinnen singe ich immer mit. Sie mag das Gewaschen-Werden gar nicht! Dann aber lacht sie über mein schiefes Singen und vergisst manchmal, was wir gerade machen. Zur Morgenpflege gehören noch Zähne putzen, bei den Männern rasieren, gemeinsam Kleidung aussuchen und beim Anziehen zu helfen. Die meisten Bewohner tragen außerdem Einlagen. Die müssen wir jetzt und später mehrmals am Tag wechseln. Im Durchschnitt helfe ich morgens bei drei Bewohnern. Einer ist immer schon fertig, bevor mein Dienst beginnt: Er arbeitet in einer Werkstatt und wird sehr früh zur Arbeit abgeholt.

8:30

Wenn wir mit der Morgenhygiene der Bewohnerinnen und Bewohner fertig sind, gibt es im Gruppenraum Frühstück. Je nach dem, was nötig ist, schmiere ich mal die Brötchen, schneide mal ein Brot klein, halte mal den Teller oder reiche direkt das Essen zu. Wir sind drei Mitarbeiter, das heißt, ich kann mich um zwei bis drei Bewohner kümmern.

9:15

Jetzt am Vormittag schauen einige aus der Wohngruppe Fernsehen, andere hören Musik oder gehen an die frische Luft. Manche begleiten wir zur „Tagesstruktur“ nebenan. Dort werden sie in ihrer Selbständigkeit gefördert. Ich aber bin zunächst mit Putzen beschäftigt. Je nach Wochentag bin ich mit dem Bäder säubern, Wäsche sortieren oder Zimmer reinigen an der Reihe. Meine Kolleginnen, Kollegen und ich teilen uns diese Aufgaben im Wohnbereich. Die Bäder müssen geputzt und gewischt, Handtücher und Einlagen aufgefüllt werden. Dreimal in der Woche reinigen wir die Bewohner-Zimmer. Und wenn die frisch gewaschene Wäsche aus der Wäscherei kommt, sortieren wir sie in die Kleiderschränke. Bleibt noch Zeit, mache ich einen Spaziergang mit einem Bewohner über das Gelände.

Die Arbeit hier gefällt mir sehr. Ich bin schon seit September in der Wohngruppe. Aber es kommt mir manchmal so vor, als seien es erst drei Monate! Natürlich ist es nicht immer einfach. Da gibt es zum Beispiel eine Bewohnerin, die schubst andere umher und lacht. Hier fällt es mir schwer, ernst zu bleiben und nicht mit ihr mit zu lachen. Es ist ja auch einfach witzig, wie sie sich verhält! Leider versteht sie das Mitlachen als Aufforderung, richtig loszulegen. Deswegen müssen wir sie manchmal kurz auf ihr Zimmer begleiten.

Info Box

Tätigkeitsbereich "Menschen mit Behinderung"
Label / Titel: 
Typische Einsatzbereiche
Inhalt: 

Wohngruppen, Betreuungs-, Förder- und Beschäftigungseinrichtungen (z.B. integrative Kitas, Schulen oder Werkstätten), Pflege- und Freizeiteinrichtungen, Familienbegleitung (z.B. Familienentlastender Dienst), individuelle Schwerstbehindertenbetreuung

Label / Titel: 
Was macht man da alles?
Inhalt: 
  • Begleitung, Betreuung und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ und Assistenz in allen Lebenslagen
  • Hilfe im Alltag wie z.B. beim Essen, bei der Körperpflege, bei verschiedenen Aktivitäten; Begleitung zur Schule, zum Einkaufen, zu Freunden, zu Ausflügen, zum Arzt u.a.; Veranstaltungen und Feste organisieren, Fahrdienste
  • in (Förder-) Schulen z.B.: Begleitung in Unterricht und Schulalltag, Gestaltung von Veranstaltungen, Hausaufgabenbetreuung
  • in Wohneinrichtungen z.B.: Hilfe beim An- und Ausziehen, beim ins Bett gehen; hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Mithilfe bei Therapien
Label / Titel: 
Was sollte ich für diese Tätigkeit mitbringen?
Inhalt: 

keine Berührungsängste, Offenheit, Einfühlungsvermögen, Geduld, Verantwortungsgefühl, Belastbarkeit, körperliche Fitness, Improvisationstalent, Teamfähigkeit, teils Führerschein und gute Fahrpraxis

Label / Titel: 
Was bringt mir das?
Inhalt: 
  • Einblick in Prozesse und Strukturen des gewählten Bereichs
  • Menschenkenntnis im Umgang mit Menschen mit und ohne Behinderungen
  • Persönlichkeitsbildung, eigenes Geschick erproben
  • berufliche Orientierung
  • Kontakte und Informationen für spätere Ausbildung/Praktika/Studienfächer
12:00

Wir bekommen das Essen aus der Hausküche. Bei ein, zwei Bewohnern helfe ich. Ich schneide Fleisch klein oder reiche das Essen zu. Viele können aber auch gut allein essen. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner sind alle zwischen 30 und 45 Jahre alt. Insgesamt sprechen sie wenig, viele leben mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen. Aber Menschen mit Behinderungen sind viel dankbarer als andere Leute, das habe ich hier gelernt! Auch wenn sie nicht viel sagen können – ich spüre ihre Dankbarkeit, etwa durch eine spontane Umarmung oder ein Lachen.

13:00

Einige Bewohnerinnen und Bewohner nutzen die Zeit für einen Mittagsschlaf. Einer macht oft einen Spaziergang. Neulich habe ich zusammen mit einer anderen Mitarbeiterin eine Bewohnerin beim Einkaufen begleitet. Da haben wir Geburtstags-Geschenke für einen ihrer Freunde besorgt.

Kennengelernt habe ich die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen während meiner Konfirmandenzeit. Unsere Pfarrerin ist mit uns in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen gewesen. Das fand ich interessant und hab mich um ein FSJ beworben. Ich hätte vorher nie gedacht, wie fröhliche Menschen mit Behinderungen sein können und wie viel Spaß man mit ihnen haben kann. Da hat sich mein Blick auf sie grundlegend geändert! Nach dem Freiwilligendienst möchte ich den Realschulabschluss nachholen, eine Ausbildung zur Sozialassistentin absolvieren und Heilerziehungspflegerin werden.

14:00

Zum Kaffeetrinken ist jetzt auch der Bewohner, der in der Werkstatt arbeitet, wieder gekommen. Wir helfen denen, die geschlafen haben, beim Anziehen und wechseln nochmals die Einlagen.

15:30

Die Frühschicht ist zu Ende - Feierabend.

Protokoll: Friedemann Sommer
 


VIDEO:
Menschen mit Behinderung // FSJ in der Beschützenden Werkstätte

Für Manuela (22) ist das die ideale Vorbereitung auf ihren Wunschberuf. Sie macht einen Freiwilligendienst in der "Beschützenden Werkstätte für geistig und körperlich behinderte Menschen Heilbronn e.V.". Vor ihrem FSJ hat sie mit einer Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin geliebäugelt. Und jetzt will sie das erst recht machen.

Für Manuela (22) ist das die ideale Vorbereitung auf ihren Wunschberuf. Sie macht einen Freiwilligendienst in einer Werkstätte für behinderte Menschen.

 

Stellen zum Tätigkeitsbereich
Russland
Pskow

In Pskow gibt es durch eine Partnerschaft mit der ev. Kirchengemeinde Wassenberg ein Frühförderzentrum und einen integrativen Kindergarten. Auch die Schule ist inzwischen völlig – also über alle Klassen – fertig; die Kinder werden morgens gebracht und abends geholt.

Russland
Pskow

In Pskow gibt es durch eine Partnerschaft mit der ev. Kirchengemeinde Wassenberg ein Frühförderzentrum und einen integrativen Kindergarten. Auch die Schule ist inzwischen völlig – also über alle Klassen – fertig; die Kinder werden morgens gebracht und abends geholt.

Russland
Sankt Petersburg

Perspektivy ist eine NGO, die sich für die Rechte von Kinder und Erwachsene mit körperlicher und/ oder geistiger Behinderung einsetzt. Der gemeinnützige Verein wurde 1999 als Partnerverein der deutschen Organisation „Perspektiven“ gegründet. Zu dem Projekt gehören ein Kinderheim und ein Erwachsenenheim, Kinder- und ein Erwachsenentageszentrum und eine Schule für Menschen mit Behinderung. Die EKiR schickt Freiwillige in das Heim für Kinder und in das für Erwachsene. Im Rahmen des Familienprogramms sieht Perspektivy auch die Aufklärungs- und Beratungsarbeit als eine wesentliche Aufgabe.

Israel
Kiriat Tivon

Seit 1963 wohnen und arbeiten in einem ehemaligen Kibbuz nahe Kiriat Tivon Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung selbstbestimmt und individuell und unter dem Motto: „Hilf mir, es selbst zu tun!”. Zur Zeit leben in Kfar Tikva ca. 200 Menschen mit Behinderungen, mit psychischen Erkrankungen oder Autismus.

Israel
Haifa

Seit 2009 arbeiten FFD Freiwillige in Projekten von ALUT, einer von Eltern gegründeten Organi­sation, die sich in Israel um Menschen mit Autismus kümmern.

Eines der ALUT Projekte ist das Kfar Ofarim in Ramat Hasharon bei Tel Aviv. Kfar Ofarim ist das größte und älteste Heim für Menschen mit Autismus in Israel. Dort leben ca. 70 Bewohner, tagsüber kommen außerdem noch ca 30 weitere „Friends“ ins Rehabilitationscenter.

Beit HaKeren ist ein Heim für ca. 25 Autisten in Rishon LeZion.

Nicaragua
Matagalpa

Eine Grundschule für Kinder, die spezielle Lernbedürfnisse haben (neben geistiger, körperlicher und Sinnesbehinderung auch Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten).

Der/die Freiwillige unterstützt die LehrerInnen im Unterricht und beschäftigt sich mit Kindern zwischen 4 und 18 Jahren. Außerdem kann er in Absprache eigene Unterrichtselemente übernehmen, wie z.B. Sport-, Mathe-, Spanisch-, oder auch Kunststunden

Argentinien
Cordoba

Die Stiftung OTIUM ist ein Tageszentrum für Menschen mit unterschiedlichen geistigen Behinderungen. Der/die Freiwillige unterstützt die MitarbeiterInnen bei therapeutischen Workshops: Gartenarbeit, backen, Kunsthandwerk, Schreiben, Radio, Musik, Kunst, Theater, Schwimmen & Ausflügen. Dazu gehört auch die Unterstützung bei den alltäglichen Aufgaben, z.B. Mittagessen und Imbiss vorbereiten, Hygiene etc. Die Freiwilligen wohnen in einem Studentenwohnheim der IERP gemeinsam mit argentinischen Studenten.

Argentinien
Buenos Aires

Die Organisation HODIF unterhält Wohngruppen und Zentren für Menschen mit Behinderungen in Buenos Aires. 2014 wurde ein neues Wohnheim im Vorort Villa Luro eröffnet, in dem Menschen mit geistigen Behinderungen leben. Es sind momentan ca. 30 Bewohner mit kognitiven, psychischen oder traumatischen Störungen im Alter von 16 bis 40 Jahren.

Nordirland
Belfast

Die Archen von Jean Vanier sind christlich geprägte Lebensgemeinschaften, in denen Menschen mit geistiger Behinderung mit Menschen ohne Behinderungen zusammen leben. Neben der individuellen Unterstützung der einzelnen Menschen mit Behinderungen geht es vor allem darum, ein gemeinsames Leben zu organisieren und gestalten.

Der/die Freiwillig unterstützt Menschen mit Behinderung, erledigt hauswirtschaftliche Arbeiten wie Kochen, Waschen, Putzen etc. und gestaltet die Freizeit und Fest mit den Menschen in der Gemeinschaft.

Uganda
Mpererre (Vorort von Kampala)

Ein Rehabilitationszentrum für Kinder mit Behinderungen in Kampala. Kinder mit Behinderungen werden im Zentrum untersucht, erhalten medizinische (Verbände, Gipse..), therapeutische (Kranken- und Beschäftigungstherapie) soziale (Sport, Spiel, Beratung, Kreatives) Versorgung sowie psychosoziale Unterstützung. Sie werden mit einem Elternteil aufgenommen, welche auch unterrichtet werden, um etwas über die Behinderung ihrer Kinder zu lernen und die Kinder später zu Hause weiter zu fördern.

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