Frieden und Entwicklung

Typische Einsatzbereiche

Freiwillige im Bereich "Frieden und Entwicklung" engagieren sich oftmals in: 

  • Gedenkstätten
  • Nichtregierungsorganisationen
  • Verbänden
  • Archiven
  • Initiativen
  • staatlichen und kirchlichen Organisationen
 
Was für Tätigkeiten machen Freiwillige?

Freiwillige übernehmen je nach Einsatzstelle vielfältige Aufgaben wie zum Beispiel:

  • Exkursionen, Workshops und Vorlesungen vorbereiten
  • Besucher über die Geschichte informieren
  • Dokumente sichten und übersetzen
  • Kontakt mit Zeitzeugen und deren Angehörigen halten
  • Ereignisse recherchieren und Gespräche mit Zeitzeugen führen
 
Was sollte ich für diese Tätigkeit mitbringen?

Für einen Freiwilligendienst im Tätigkeit "Frieden und Entwicklung" ist es hilfreich wenn du:

  • Einfühlungsvermögen hast und gut Zuhören kannst
  • ein Verständnis für Zeitzeugen und ihre Angehörigen mitbringst
  • Freude an der Dokumentation und der Arbeit in einem Archiv hast
  • keine Scheu hast, Gruppen anzuleiten und fremde Menschen zu interviewen
  • Computerkenntnisse hast
  • über ein gutes Sprachgefühl und Sprachkenntnisse verfügst 
 
Was bringt mir das persönlich?

Mit einem Freiwilligendienst im Bereich "Frieden und Entwicklung" gewinnst du:

  • erste Erfahrungen in der Gestaltung und Dokumentation von Zeitgeschichte
  • Einblicke in die Organisation und Arbeitsabläufe von (Nichtregierungs-) Organisationen und Gedenkstätten
  • Sprachkompetenz
  • besseres Verständnis für historische Zusammenhänge
  • Kontakte mit Personen aus aller Welt
  • erste Erfahrungen in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
 
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Typische Einsatzfelder

Im Tätigkeitsbereich "Frieden und Entwicklung" gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Du kannst dich zum Beispiel bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Verbände, Initiativen bei ihren entwicklungs- oder friedenspolitische Aktivitäten unterstützen. In Bildungseinrichtungen kannst du friedenspädagogische kennenlernen.  Gedenkstätten bieten die Möglichkeit, Geschichte aufzuarbeiten und mit Zeitzeugen zusammenzuarbeiten.  In staatlichen und kirchlichen Organisationen kannst du dich in Projekte einbringen, die Toleranz, Versöhnung und Verständigung fördern.

Was tun Freiwillige da alles?

Typische Tätigkeiten im Bereich "Frieden und Entwicklung" sind unter anderem:

  • Planen und organisieren von Aktionen, Workshops, Info-Veranstaltungen, Kampagnen, Exkursionen, etc.
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Kontakte knüpfen und pflegen (z.B. mit Zeitzeugen und deren Angehörigen) 
  • Büro- und Archiv-Arbeiten (z.B. Dokumente sichten und übersetzen)
  • (friedens-) pädagogische Bildungsarbeit
Was sollte ich für diese Tätigkeit mitbringen?

Für einen Freiwilligendienst im Bereich "Frieden und Entwicklung" ist es hilfreich, wenn du Eigenschaften mitbringst wie:

  • Zusammenhänge von Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit besser verstehen willst
  • offen bist für ein Land, das dir fremd ist, für Menschen und dir noch unbekannte Kulturen
  • bereit bist, ein einfacheres Leben zu führen, als du es gewohnt bist
  • die Sprache des Gastlands bzw. eine neue Sprache lernen willst
Was bringt mir so ein Freiwilligendienst?

Mit deinem Engagement für Frieden und Entwicklung erweiterst deinen Horizont und lernst Neues kennen. Du gewinnst einen kritischen Blick für globale Zusammenhänge, soziale Ungerechtigkeiten und politische Konflikte. Du erfährst aber auch: Frieden und Versöhnung sind möglich, du lernst Methoden der zivilen Konfliktbearbeitung kennen. Mit deinem Engagement in einem internationalen Friedensdienst leistest du eine sinnvolle Unterstützung. Persönlich gewinnst du Einblicke in die Organisation und Arbeitsabläufe von Organisationen und Kampagnen. Du förderst deine Sprach- und soziale Kompetenz, lernst neue Menschen und Kulturen kennen.

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Story

Vladimir trifft
Zeitzeugen

Vladimir macht einen Friedensdienst in der Gedenkstätte Neuengamme

Vladimir (29) kommt aus Russland. Er absolviert einen Friedensdienst in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Während des Zweiten Weltkrieges waren in dem Hamburger Konzentrationslager mehr als 100.000 Menschen gefangen. Vladimir erzählt, wie sein Freiwilligendienst abläuft.

 

9:00

Ich komme in die Gedenkstätte. Am Empfang sage ich meiner Kollegin kurz „Hallo“ und schaue nach der Post.  Fast täglich bekommen wir Post von ehemaligen KZ-Häftlingen aus der Ukraine, Russland und Weißrussland. Im Büro schaue ich als erstes in die E-Mails und erstelle dann meine „To-Do-Liste“ für den Tag.


9:30 

Ich widme mich den neuen Briefen. Zuerst übersetze ich den Inhalt und trage alles Wichtige in ein Formular ein. Gleichzeitig füge ich das Datum des Briefes in eine Datenbank ein. Später beantworte ich die Post. Eine wichtige, aber nicht immer leichte Aufgabe. Viele der ehemaligen Häftlinge klagen über ihre schwere Lebenssituation. Einer schreibt zum Beispiel, dass er sehr krank ist und kein Geld für wichtige Medikamente hat. Ich spreche mit einer Frau aus dem Freundeskreis der Gedenkstätte, und wir schicken ihm ein bisschen Geld. Manchmal teilen Verwandte ehemaliger Häftlinge in einem Brief mit, dass ein Mensch gestorben ist. Das ist immer traurig. In diesen Fällen schreibe ich eine Beileidskarte. Dazu schicken wir ein bisschen Geld und bitten darum, Blumen fürs Grab zu kaufen. Es kann aber auch sein, dass Leute einfach nur meine Meinung zu Neuigkeiten in aller Welt wissen wollen.


11:30

Kaffeepause mit meiner Kollegin: Sie ist eine Freiwillige aus Deutschland. Oft bitte ich sie, meine Texte zu prüfen, weil mein Deutsch nicht so gut ist und sie hilft mir gerne.


11:45 

Bald wird bei uns ein Besuchsprogramm für ehemalige Häftlinge stattfinden. Ich habe eine Liste von Personen, die früher bereits an einer solchen Veranstaltung teilgenommen hatten. Ich rufe sie an und frage, ob sie Lust und Zeit haben, die Gedenkstätte zu besuchen. Im Internet suche ich dann eine passende Reiseverbindung für sie heraus.


12:30 

Nächste Woche wird es ein Treffen im Rathaus mit ehemaligen Häftlingen aus Deutschland geben. Meine Kollegin und ich haben die Aufgabe, ein Interview zu führen. Wir haben die Lebensgeschichte eines Ex-Häftlings per E-Mail bekommen. Wir lesen die Geschichte und überlegen uns Fragen, die wir stellen können.


13:00

Mittagspause. Wir essen in unserem Büro. Währenddessen lese ich Nachrichten aus Russland und der Ukraine auf russischen und auf deutsche Internetseiten. Ich vergleiche die Nachrichten und rede mit meiner Kollegin über Unterschiede und Gemeinsamkeiten.


13:30 

Eine Kollegin bittet mich, eine Quiz-Aufgabe für Kinder vorzubereiten. Sehr oft kommen Schulklassen in die Gedenkstätte. Für Jugendliche gibt es Exkursionen, Vorlesungen und Workshops. Für Kinder haben wir uns etwas anderes überlegt, wie wir für sie den Gang durch die Gedenkstätte spannender gestalten können: einen Wettbewerbe. Die Idee: ein Suchspiel. Auf dem Gelände der Gedenkstätte gibt es viel Interessantes zu entdecken. Ich nehme einen Fotoapparat, gehe übers Gelände und fotografiere alles, was ich interessant finde.  Zurück im Büro sichte ich mit meiner Kollegin die Fotos und suchen die besten Motive heraus. Die Kinder werden eine Geländekarte mit nummerierten Fotos bekommen. Sie sollen dann alle Bilder auf dem Gelände finden.


15:00 

Ein ehemaliger Häftling hat uns einen Dokumentarfilm über die Gedenkstätte Neuengamme geschickt. Leider ist er auf Russisch, aber für unseren Archivar ist er sehr interessant. Ich soll mir den Film anschauen und deutsche Untertitel schreiben.


16:00 

Heute habe ich noch ein bisschen Zeit, um ins Archiv zu gehen. Dort gibt es eine riesige Menge alter Fotos. Wenn gerade keine dringenden Aufgaben anstehen, scanne ich nach und nach alte Fotos ein. Anschließend trage ich die Bilder in eine Datenbank ein und übersetze gegebenenfalls, was auf die Vorder- oder Rückseite der Fotos geschrieben ist.


17:15 

Restliche Kleinigkeiten: E–Mails checken, Aufgaben für den nächsten Tag aufschreiben.


17:30 

Ich verabschiede mich bei den Kolleginnen und Kollegen in den Feierabend.  

 

Protokoll: Jörn Polzin

 

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