weltwärts

Dieser Freiwilligendienst ist was für Leute, die sich für entwicklungspolitische Themen wie Armutsbekämpfung, Menschenrechte, Demokratieförderung interessieren. Als Freiwilliger arbeitest du ganztägig bei einem Projekt mit. Bei dem Einsatz lernst du unter anderem, weltweite Wechselwirkungen und Abhängigkeiten besser zu verstehen. Weltwärts ist ein politischer Entwicklungsdienst des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung(BMZ). Freiwillige bewerben sich direkt bei anerkannten Entsendeorganisationen.

Bulletpoints International
Länder

weltweit 80 Staaten, die als "Entwicklungsländer" gelten

Dauer

6-24 Monate, in der Regel 12 Monate

Tätigkeitsbereiche
  • Geflüchtete

  • Frieden und Entwicklung

  • Handwerk und Technik

  • Kinder und Jugendliche

  • Kranke Menschen

  • Kultur

  • Menschen mit Behinderung

  • Natur und Umwelt

  • Politik und Verwaltung

  • Schule

  • Senor*innen

  • Soziale Dienste

  • Sport

Voraussetzungen
  • Alter zwischen 18 und 28 Jahre

  • abgeschlossene Berufsausbildung, Abitur oder Fachhochschulreife; deutsche Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsgenehmigung

  • Grundkenntnisse in der Landesprache

  • Interesse an Kultur des Einsatzlandes

Finanzielles
  • Programm übernimmt Kosten für Taschengeld (100 Euro), Hin- und Rückreise, Seminare, Versicherungen, nötige Impfungen, Verpflegung, ortsübliche Unterkunft, Mentoren und Anleitung vor Ort, Betreuung vor während und nach dem Auslandsaufenthalt durch die Entsendeorganisation

  • weltwärts trägt nur einen Teil der Kosten, die Entsendeorganisationen übernehmen den Restanteil

  • Oftmals beteiligen sich auch Freiwillige mit zirka 200 Euro/Monat: Finanzierung durch kreative Aktionen, Patenschaften, Förderkreise

  • gesetzlicher Anspruch auf Kindergeld besteht weiter

Seminare

25 Seminartage - Beispiel Diakonie Württemberg: Vorbereitungsseminar in Deutschland (10 Tage), im Einsatzland (5 Tage), Zwischenseminare im Einsatzland (5 Tage), Nachtreffen (5 Tage)

Weitere Infos
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weltwärts - der entwicklungspolitische Freiwilligendienst

Die Diakonie hat mich prima auf mein Jahr in der Ukraine vorbereitet

Timo macht mit weltwärts einen Freiwilligendienst in Odessa

Timo (19) ist für ein Jahr mit dem weltwärts-Programm in der Ukraine. Als Freiwilliger betreut er in der Stadt Odessa in seiner Einsatzstelle "Shiwa Nadija" (Lebendige Hoffnung) Kinder und Jugendliche. Er erzählt, wie ein Freiwilligendienst mit "weltwärts" abläuft.

Nach dem Abi wollte ich im Ausland für ein soziales Projekt arbeiten. Im Internet erfuhr ich von weltwärts. Das Programm ist staatlich gefördert, anerkannt und bietet die Möglichkeit, sich weltweit in Projekten entwicklungspolitisch zu engagieren. Wer mit weltwärts unterwegs ist, bewirbt sich bei einer sogenannten Entsendeorganisation. Bei mir war das die Diakonie Württemberg. Ich bewarb mich auf das 2x-change"-Programm der Diakonie, das Freiwilligendienste in Palästina, Jordanien, Tansania, Serbien und der Ukraine anbietet. Für ein konkretes Projekt muss man sich bei "x-change" erst später entscheiden.

Auf der Website der Diakonie konnte ich einen Bewerbungsbogen herunterladen. Außerdem brauchte ich ein Passfoto, einen tabellarischen Lebenslauf, mein letztes Zeugnis und zwei Empfehlungsschreiben von Menschen, die mich kennen und meine Stärken beschreiben. Ich habe eine enge Freundin der Familie und einen Parteigenossen in der SPD gefragt. Seit meiner Schulzeit engagiere ich mich bei den Jusos, den Jungsozialisten. Soziales Engagement gibt bei der Bewerbung Pluspunkte. Das Kernstück meiner Bewerbung war mein Motivationsschreiben, das ich in zwei Sprachen einreichen musste. Ich schrieb meines in Englisch. Ich habe auf einer Seite beschrieben, warum ich ein Auslandsjahr machen möchte, welche Erfahrungen und Stärken ich mitbringe und was ich mir von dem Freiwilligendienst erhoffe. Das Schreiben hat mir sehr geholfen, mich auf das freiwillige Jahr vorzubereiten.

Je früher du dich bewirbst, desto besser

Die Bewerbungsfrist startet im Oktober und endet meistens zum Februar. Je früher man sich bewirbt, desto besser sind die Chancen, das Wunschprojekt zu bekommen. Im Dezember und im Februar finden Auswahl- und Orientierungstreffen statt. Die Diakonie lud mich und die anderen Freiwilligen zu einem Wochenendseminar nach Böblingen ein. Ehemalige Freiwillige stellten uns ihre Einsatzstellen und die Länder vor. Das half mir, mich für konkrete Projekte zu interessieren.

Wir haben Gruppenspiele gemacht und gemeinsam gekocht. In einem Einzelgespräch wurde ich nach meinen Präferenzen, meiner Motivation und meinen Ängste und meinem Umgang mit Krisensituationen gefragt. Die Atmosphäre empfand ich als locker, ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt unter Druck gesetzt. Ich kann nur empfehlen gelassen in das Einzelgespräch einzusteigen und ehrlich zu sein.

Am Ende des Wochenendes konnten wir unsere drei Wunschprojekte in eine Liste eintragen, spätestens nach drei Tagen mussten wir uns entschieden haben. Zugegeben, mein jetziges Projekt bei "Shiwa Nadija" in Odessa war nur meine zweite Wahl, aber es überzeugte mich trotzdem: Die Mitarbeiter helfen, Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien vor Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Kriminalität, ungewollten Schwangerschaften und Aids zu bewahren.

Odessa besitzt die höchste Aids-Rate in Europa. Die Kinder kommen oft aus zerrütteten Verhältnissen, sind Waisen oder haben häusliche Gewalt erlebt. In dem Projekt bekommen sie ein warmes Mittagessen, Hilfe bei ihren Hausaufgaben, Mitarbeiter klären über Aids, Drogen- und Alkoholmissbrauch auf und bieten Freizeitangebote an. Dieser praktische Ansatz hat mich überzeugt.

Visum so früh wie möglich beantragen

Es ist es üblich, Spenden für die Entsendeorganisation zu sammeln, da sie auch Kosten haben. Wenn es dabei Überschüsse gibt, unterstützt die Diakonie damit manchmal die Aufnahme ausländischer Freiwilliger, die sich in Deutschland engagieren möchten, aber nicht genug Geld haben. Zum größten Teil erhielt ich Spenden aus meiner Familie und von Freunden. In meiner Nachbarschaft verteilte ich selbst entworfene Flyer. In der Lokalzeitung wurde ein Bericht über mich und mein Projekt veröffentlicht, so dass noch einige zusätzliche Mittel zusammenkamen.

Für die Ukraine musste ich mich frühzeitig um ein Visum bemühen. Zu meiner eigenen Vorbereitung besuchte ich vor der Abreise an der Volkshochschule einen Russisch-Kurs, um ein Basiswissen in der Sprache zu haben. Außerdem habe ich Nachrichten und Romane über die Ukraine gelesen, um das Land besser kennenzulernen. Die Diakonie bereitete uns in zwei Seminaren auf den Auslandsdienst vor. Wir hörten Berichte von Referenten, hielten Vorträge und erarbeiteten in Länder-Gruppen Themen über Politik und Geschichte der Gastländer, diskutierten über entwicklungspolitische Themen, Globalisierung und sprachen über unsere persönliche Ziele für das Jahr.

Die Seminare in der Ukraine waren klasse

Auf der Reise in die Ukraine sahen wir fünf Freiwillige schon viel vom Land, erst im Bus und später im Zug. In Charkow erkundeten wir die Stadt und die landestypischen Eigenheiten. Wir lernten zum Beispiel wie man mit dem Linienbus "Maschrutka" fährt, der beinahe jeden Winkel der ukrainischen Städte ansteuert und meistens proppenvoll ist. Einheimische Ukrainer erzählten uns etwas über ihr Land und wir probierten ukrainische Delikatessen wie Vareniki, das sind gefüllte Teigtaschen.

Nach dem dreitägigen Welcome-Seminar fuhren wir mit dem Zug nach Odessa. Ich lebe bei einer alten Frau in einem Plattenbau und werde von einer deutschen Mentorin betreut. Wir treffen uns regelmäßig und ich habe die Möglichkeit mit ihr Probleme und Wünsche zu besprechen. Sie half mir zu Beginn auch bei Behördengängen zur Anmeldung und beim Kauf von Zugtickets. Mein Zwischenseminar fand im Februar in Lviv, auch als Lemberg bekannt, statt.

Ich habe mich mit anderen Freiwilligen ausgetauscht und es gab die Möglichkeit in intensiven Einzelgesprächen mit der Seminarleiterin über persönlichere Konflikte, Pläne und Wünsche zu sprechen. Wir diskutierten mit jungen Ukrainern über die aktuelle politische Lage und sahen uns die Stadt an. Auf den Seminaren empfand ich den Austausch mit anderen Freiwilligen und mit jungen Ukrainern als sehr bereichernd. Neue Freundschaften wurden geschlossen, Einladungen ausgesprochen und Adressen ausgetauscht.

Ende August werde ich nach Deutschland zurückkehren. Im September werden wir unsere Erfahrungen in einem Rückkehrseminar der Diakonie Württemberg austauschen und Rückkehr-Aktionen planen. Darauf freue ich mich besonders, auch wenn ich das Ende meines Einsatzes noch in weite Ferne wünsche. Mich interessiert, wie die verschiedenen Einsatzländer die Freiwilligen geprägt oder vielleicht sogar verändert haben. Ich selbst habe bisher sehr viel gelernt. Zum einen über die Ukraine, die mir zu einer zweiten Heimat geworden ist. Zum anderen weiß ich jetzt, was ich gerne tue, was ich brauche, und was mir wirklich wichtig im Leben ist.

Protokoll: Katrin Langhans

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