Wehrdienst: ja oder nein? Tipps und Hilfen für deine Entscheidung

Den Fragebogen der Bundeswehr bekommen jungen Menschen zu ihrem 18. Geburtstag zugeschickt.
epd-bild/Mika Preller-Pieroth

Warum schickt mir die Bundeswehr einen Fragebogen?

Du bist 18 und damit volljährig. Der Staat will nun wissen, ob du für einen Dienst bei der Bundeswehr infrage kommst. Das soll mit dem Online-Fragebogen herausgefunden werden. Den Link findest du in dem Info-Brief der Bundeswehr. Männer müssen (!) den Fragebogen ausfüllen und absenden. Frauen können das freiwillig tun. 

 

Was will die Bundeswehr mit der Fragebogen-Aktion erreichen?

Um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken, will die Bundeswehr will mehr junge Menschen für den Freiwilligen Wehrdienst (FWD) gewinnen. Was passiert, wenn sich nicht genügend Freiwillige melden? Wenn es nötig ist, kann der Bundestag über eine Bedarfswehrpflicht entscheiden. Das heißt, junge Männer können auch dann zum Militärdienst einberufen werden, wenn sie sich gegen einen freiwilligen Wehrdienst entschieden haben. Das hängt davon ab, wie akut die Bedrohung ist und wie viele Soldat:innen die Bundeswehr gerade braucht. Du kannst dich aber auf dein Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung (Grundgesetz Artikel 4, Absatz 3) berufen ­ - wie das geht, erklärt dir das Video unten Schritt für Schritt.
 

Um was geht's in dem Fragebogen überhaupt?

  • Du wirst gefragt, ob du dir einen Dienst bei der Bundeswehr grundsätzlich vorstellen kannst.
  • Deine Interessen und Fähigkeiten werden abgefragt.
  • Dir werden zivile Möglichkeiten für gesellschaftliches Engagement - zum Beispiel technische Hilfswerke oder Freiwilligendienste wie das FSJ oder der Bundesfreiwilligendienst (BFD).  

 

Was muss ich tun? Checkliste zum Fragebogen:

Die Post von der Bundeswehr ist da. Keinen Bock, die Fragen zu beantworten? Nimm das Schreiben ernst. Als junger Mann bist du verpflichtet, den Fragebogen abzugeben - sonst droht eine Strafe. Wie du am besten mit dem Fragebogen umgehst, zeigt dir unsere Checkliste.

  • Öffne die Post und checke sofort die Abgabefrist: Bis wann musst du den Fragebogen absenden?
     
  • Ruf den Online-Fragebogen auf und lies ihn sorgfältig durch.
     
  • Setze dich mit den zwölf Fragen auseinander. Nimm dir Zeit, um deine Antworten und Entscheidungen sorgfältig abzuwägen. 
     
  • Abgefragt werden zum Beispiel: persönliche Angaben, Bildungsstand, Selbsteinschätzung der Fitness, Interesse am Wehrdienst.
     
  • Antworte wahrheitsgemäß. Bedenke: Fliegen später falsche Angaben auf (z.B. bei der Musterung, Bedarfswehrpflicht) droht Bußgeld.
     
  • Hol dir Beratung, wenn dir etwas unklar ist oder du unsicher bist. Tipps dazu findest du unten auf dieser Seite. 
     
  • Sende den Online-Fragebogen rechtzeitig vor der Deadline ab. Nicht vergessen: Als junger Mann MUSST du den Fragebogen ausfüllen. Wenn du es nicht machst, ist das eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld bestraft werden.

 

Fragebogen ist abgeschickt: Was passiert jetzt?

Der neue Wehrdienst ist freiwillig. Du verpflichtest dich zunächst ein mal zu nichts. Die Fragebögen werden ausgewertet. Junge Männer ab Jahrgang 2008 müssen zur Musterung (ab 1. Juli 2027). Die kannst du dir wie einen Medizin-Check vorstellen: Es wird geprüft, ob du für einen Militärdienst körperlich und geistig fit genug bist.

Du hast Interesse an einem freiwilligen Wehrdienst? Wenn du tauglich bist, lädt dich die Bundeswehr in ein sogenanntes "Karrierecenter" ein. Ein freiwilliger Wehrdienst dauert sechs bis elf Monate. Wenn du den Militärdienst geleistet hast, bist du bis zu deinem 65. Lebensjahr Teil der Reserve. Das bedeutet, du kannst immer mal wieder zu Übungen für den Heimat- und Katastrophenschutz einberufen werden.

Du willst nicht zur Bundeswehr und möchtest dich aber mit einem Freiwilligendienst für die Gesellschaft engagieren? Der Fragebogen stellt dir die Freiwilligenbörse www.freiwillig-ja.de vor. Auf diesem Portal findest du Informationen und Einsatzstellen von allen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die in Deutschland Freiwilligendienste vermitteln. 

Ob Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder Bundesfreiwilligendienst (BFD): Alle wichtigen Infos, Erfahrungsberichte und Einsatzstellen von evangelischen Anbietern findest du auch auf www.ein-jahr-freiwillig.de. Die evangelische Freiwilligenbörse bietet dir noch etwas mehr: Auf ein-jahr-freiwillig.de findest du darüber hinaus auch Angebote für ein Auslandsjahr. Nähere Informationen über Freiwilligendienste findest du unten.

Du möchtest weder zur Bundeswehr, noch einen Freiwilligendienst machen? 
Kein Problem! Dann mach du einfach den nächsten Schritt. Ob Ausbildung, Studium, Jobben oder reisen: Du bist frei in deinen Entscheidungen und kannst machen, was du willst. 

 

TIPP: Bleib informiert beim Thema Wehrpflicht

Die Rechtslage kann sich aus politischen Gründen ändern. Ob die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt wird, immer wieder aufs Neue diskutiert. Bleib aufmerksam und informiere dich. Nutze seriöse Nachrichten und glaub nicht alles, was irgendwelche Leute in sozialen Netzwerken behaupten. Triff eine für dich stimmige Entscheidung. Wenn du dir unsicher fühlst, lass dich beraten.

 

Wie kann ich den Kriegsdienst verweigern?
In Deutschland hast du das Recht, den Kriegsdienst zu verweigern. Wie das geht? Das Video erklärt dir das Schritt für Schritt, welche Fragen zu klären sind und was zu tun ist.
  • Das Video der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) erklärt Schritt für Schritt, wie du den Kriegsdienst verweigern kannst.
Tipps: Zivile Alternativen zum Wehrdienst

"Mach dir bewusst, was das Berufsbild des Soldaten in einem Ernstfall alles umfasst"

Das Schreiben von der Bundeswehr konfrontiert dich mit einer spannenden Gewissensfrage: Könntest du einen anderen Menschen töten? Wie du für dich herausfinden kannst, ob das Militär etwas für dich ist, haben wir Gregor Rehm gefragt. Er ist Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in der Pfalz und berät in Sachen Kriegsdienstverweigerung.

Ich werde 18 und bekomme Post von der Bundeswehr. Als junger Mann MUSS ich einen Online-Fragebogen ausfüllen. Bin ich der Typ fürs Militär? Wie kann ich diese Frage für mich klären?

Gregor Rehm: Als ersten Schritt empfehle ich, erst mal einzuordnen, um was es tatsächlich geht. Die Bundeswehr wirbt mit dem Fragebogen und in ihrer Kommunikation vor allem für die Karriere-Chancen, die sie Soldatinnen und Soldaten bietet. Dabei wird aber kaum beleuchtet, was das Berufsbild alles umfasst und was daraus im Ernstfall folgt. Man muss sich klarmachen, dass ein Militärdienst im schlimmsten Fall bedeutet, Waffen einzusetzen, zu zerstören und zu töten. Das bedeutet auch, dass man selbst getötet werden kann.

Gregor Rehm gehört zum Vorstand der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK)

Was empfehlen Sie als zweiten Schritt?

Rehm: Sich damit auseinandersetzen, wofür die Bundeswehr steht. Als Soldat oder Soldatin ist es meine Aufgabe, für Sicherheit zu sorgen. Aber was genau ist mit dieser Sicherheit gemeint? Reine Verteidigung? Auslandseinsätze? Geht es in erster Linie um die Sicherheit der Menschen? Oder um die Sicherheit des Staates? Da gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Es ist sinnvoll, sich Gedanken über die Rolle der Bundeswehr zu machen und zu prüfen, ob man das persönlich mittragen kann.

Wie finde ich Klarheit, wenn ich merke: Ein Militärdienst ist nichts für mich, aber ich kann das nicht richtig in Worte fassen?

Rehm: In meiner Beratung erlebe ich oft, dass junge Menschen erst mal mit einem ganz diffusen Bauchgefühl kommen. Gemeinsam arbeiten wir dann heraus, woher das kommt. Das ist ein ganz individueller Prozess: Mit welchen Werten bin ich aufgewachsen? Was für Überzeugungen habe ich entwickelt? Habe ich Gewalt schon erlebt? Bin ich ein gläubiger Mensch? Das sind persönliche Gespräche, bei der die eigene Biografie eine zentrale Rolle spielt. Deshalb ist es auch gut, sich beraten zu lassen und mit Menschen seines Vertrauens darüber zu sprechen ­- ob Freunde, Eltern, Verwandte. Ich glaube, jedes Gespräch hilft eine eigene Haltung zu formen und zu festigen. Darüber hinaus haben wir bei der EAK die Broschüre „Find deinen Weg“ entwickelt, die bei Gewissensfragen helfen kann.  


Wo finde ich eine Beratung, die mich bei Gewissensfragen unterstützt?

Rehm: Auf dem Portal der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) kann man ganz einfach ein Online-Formular ausfüllen. Anhand der Postleitzahl meldet sich daraufhin eine Beraterin oder ein Berater aus der eigenen Region. Die Beratung ist kostenfrei, vertraulich und ergebnisoffen. Uns ist es wichtig, dass die Menschen eine Entscheidung für oder gegen den Militärdienst treffen können, die für sie persönlich passt. Wenn sich dann jemand für die Bundeswehr entscheidet, geschieht das wohlüberlegt und eben nicht aus falschen Gründen oder weil einfach nur Karriere-Chancen locken. Ich finde, wir sollten uns bewusst mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn im Ernstfall geht es um Leben und Tod.

Fragen: Timon Müller/ein-jahr-freiwillig.de

 

 

Wehrdienst und Gewissen: Lass dich beraten

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) vermittelt über ihr Online-Kontaktformular regionale Beraterinnen und Berater, die bei Gewissensfragen unterstützen.

 

Mit dem Fragebogen der Bundeswehr stellt sich für dich die Frage: Ist ein Militärdienst etwas für mich? Unser Tipp: Triff keine voreilige Entscheidung.  Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob du der Typ fürs Militär bist, lass dich beraten. Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) unterstützt dich dabei, eine ehrliche und gut informierte Antwort zu finden. Das Angebot ist kostenlos, vertraulich und ergebnisoffen. 

In dem Beratungsgespräch geht es nicht darum, dich von etwas zu überzeugen oder in eine bestimmte Richtung zu lenken. Im Gegenteil: Die erfahrenen Beraterinnen und Berater der evangelischen Friedensarbeit helfen dir, eine Entscheidung zu finden, die für dich die richtige ist. Im Gespräch mit den Fachleuten kannst du deine Gedanken zu sortieren. Ohne Druck und Erwartungen verschaffst du dir Klarheit. 


Beratungstermin vereinbaren: 

Füll auf eak-online.de das Kontaktformular ausfüllen. Über die Postleitzahl wird deine Anfrage an eine Beraterin oder einen Berater in deiner Region weitergeleitet. Er oder sie nimmt dann zeitnah und persönlich Kontakt mit dir auf. 

 

Häufige Fragen und Antworten zum Wehrdienst
Muss ich den Fragebogen der Bundeswehr ausfüllen ?

Wenn du ein Mann bist, musst du den Fragebogen der Bundeswehr ausfüllen. Du solltest ihn auf jeden Fall ernst nehmen und fristgerecht abschicken. Wenn du das nicht tust, droht dir ein Bußgeld. Für Frauen ist das nicht verpflichtend. Wenn du eine Frau bist, kannst du den Fragebogen freiwillig ausfüllen oder auch nicht. 

Das Ausfüllen des Fragebogens ist unverbindlich. Die Fragebogen-Aktion dient erst mal nur zur Datenerhebung und fragt dein Interesse an der Bundeswehr ab.

Was passiert, wenn ich Interesse an der Bundeswehr angebe?

Wenn du in den Fragebogen angibst, dass dich ein freiwilliger Wehrdienst interessiert, darf dich die Bundeswehr kontaktieren. Sie kann dir Informationen schicken und/ oder dich zu einem Gespräch oder zu Veranstaltungen einladen. Wichtig zu wissen: Du gehst damit noch keine Verpflichtung ein. Du signalisierst nur, dass du interessierst bist und weitere Infos über die Bundeswehr willst.

Was passiert, wenn ich KEIN Interesse an der Bundeswehr angebe?

Gibst du in dem Fragebogen an, kein Interesse an einem Dienst bei der Bundeswehr zu haben, passiert erst mal nichts weiter. Wenn du den Fragebogen ausfüllst, verpflichtest du dich zu nichts. Du kannst direkt eine Ausbildung oder ein Studium beginnen. Oder überlegen, ob du einen Freiwilligendienst wie zum Beispiel ein FSJ, einen Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilliges Internationales Jahr (FIJ) machen willst. 

Aber je nachdem wie sich die politische Lage entwickelt, kann sich auch die gesetzliche Regelung ändern. Bleib informiert. Falls es wieder einen verpflichtenden Wehrdienst gibt, kann sich das auf deine persönliche Situation auswirken. 

Ich weiß nicht, was ich machen soll. Wo kann ich mich beraten lassen?

Bist du der Typ für einen Militärdienst? Das ist nicht immer so einfach zu beantworten. Damit verbunden sind auch Gewissensfragen, deren Tragweite nicht immer einfach zu überblicken ist.

Du musst das nicht allein mit dir selbst ausmachen. Es gibt Leute, die sich damit auskennen und dir in so einer Situation helfen können. Sie unterstützen dich kostenlos und ohne Druck dabei, eine für dich stimmige Entscheidung zu finden. 

Eine Anlaufstelle ist zuzm Beispiel die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK). Über ein Online-Formular kannst du Kontakt aufnehmen. Die EAK vermittelt dir in deiner Region eine Person, mit der du vertraulich über alles reden kannst. Sie beraten dich neutral und helfen dir herauszufinden, was du wirklich willst.

Ich will nicht zum Militär. Muss ich dann einen Zivildienst machen?

Der neue Wehrdienst ist freiwillig. Deshalb gibt es auch keinen Zivildienst, den man stattdessen machen muss. Wenn du willst, kannst du einen Freiwilligendienst machen. Zum Beispiel ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD). Du kannst auch dich auch im Ausland freiwillig engagieren. Egal, ob du ein FSJ oder Freiwilliges Internationales Jahr (FIJ) machen willst: Informationen, Erfahrungsberichte und Einsatzstellen findest du ein-jahr-freiwillig.de.

Habe ich ein Recht darauf, einen Kriegsdienstverweigern zu verweigern?

Ja. Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das steht so im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (Artikel 4, Absatz 3). 

Was ist der Unterschied zwischen Wehrpflicht und dem freiwilligen Dienst bei der Bundeswehr?

Wehrpflicht:  In Deutschland gab es einen verpflichtenden Wehrdienst, der 2011 ausgesetzt wurde. Bei diesem Pflichtmodell wurden alle jungen Männer ab 18 Jahren einberufen und gemustert. Wer tauglich war, aber keinen Dienst mit der Waffe leisten wollte, musste einen Zivildienst machen. Wer sich diesem Pflichtdienst entzog, dem drohten Gefängnisstrafen. 

Freiwilliger Dienst bei der Bundeswehr: Um diesen neuen freiwilligen Wehrdienst geht es in dem Online-Fragebogen. Bei diesem Freiwilligenmodell kannst du selbst entscheiden, ob du einen Dienst leistest oder nicht. Man bewirbt sich praktisch wie bei einem Job und unterschreibst einen Vertrag, wenn du dich für den Wehrdienst bei der Bundeswehr entscheidest. So läuft es auch, falls du einen zivilen Freiwilligendienst wie das FSJ machst. Ein freiwilliger Dienst kann aus guten Gründen auch vorzeitig beendet werden.

Was ist eine Bedarfswehrpflicht?

Der Bundestag kann über die Einführung einer Bedarfswehrpflicht entscheiden, wenn es eine aktuelle Bedrohungslage gibt. Das bedeutet, junge Männer können zu einem Militärdienst verpflichtet werden, auch wenn sie keinen freiwilligen Wehrdienst gemacht haben. Wichtig zu wissen: Laut Grundgesetz musst du keinen Dienst mit der Waffe machen. Kriegsdienstverweigerung ist ein Grundrecht. Jedoch kannst du im Verteidigungsfall zu einem zivilen Dienst verpflichtet werden.

Was bedeutet es eigentlich, Soldat zu sein?

Beim Militär geht es im Ernstfall um Leben und Tod. Sollte es zu einem Krieg oder Militäreinsatz kommen, musst du kämpfen. Das gehört mit zum Beruf. Wenn du Soldat bist, bedeutet das:

  • militärische Ausbildung
  • Umgang mit Waffen
  • Hierarchien unterordnen
  • körperliche und psychische Belastungen aushalten
  • die Bereitschaft zu kämpfen, zu töten und getötet zu werden
Was ist an dem "neuen Wehrdienst" eigentlich neu?

Der "neue Wehrdienst" ist anders als die klassische Wehrpflicht, die es bis 2011 gab. Es ist ein freiwilliger Wehrdienst. Das heißt, dass nicht alle jungen Männer automatisch einberufen werden. Neu ist seit 2026: Alle 18-Jährigen bekommen Post von der Bundeswehr. Männer müssen einen Fragebogen ausfüllen und werden damit erfasst. Frauen können den Fragebogen freiwillig ausfüllen. Wer den Fragebogen ausfüllt, verpflichtet sich aber zu nichts.

Die Musterung kommt zurück. Bis 2011 war eine Musterung Standard, als es noch Wehrpflicht gab. Ab 2027 werden Männer voraussichtlich wieder zu einer Musterung vorgeladen. Es wird geprüft, wer für einen Militärdienst tauglich ist.

Die Idee hinter dem "neuen Wehrdienstes" ist, mehr Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen. Sollten sich nicht genug Freiwillige melden, hat der Staat die Möglichkeit nachzusteuern. Das heißt: Je nach Lage kann es zu verpflichtenden Einberufungen kommen. Diese Form von Wehrdienst wird auch als "Bedarfswehrpflicht" bezeichnet.    

Welche Alternativen gibt es zum freiwilligen Wehrdienst?

Du willst nicht zur Bundeswehr, aber dich zwischen Schule und Beruf für die Gesellschaft engagieren? Du kannst zum Beispiel ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) machen. Damit kannst du dich in vielen Bereichen einbringen, zum Beispiel im Kindergarten, in der Pflege oder in der sozialen Hilfe. Auch im Ausland kannst du dich mit einem Freiwilligendienst engagieren. Schau mal auf ein-jahr-freiwillig.de, da findest du jede Menge Angebote.

Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, sich beim Technischen Hilfswerk (THW) oder bei Rettungsdiensten wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) zu engagieren.

Was passiert, wenn die Wehrpflicht wieder eingeführt wird? Wird mein Freiwilligendienst anerkannt oder muss ich dann noch einen Pflichtdienst machen?

Diese Frage kann aktuell (Stand Sommer 2026) noch niemand beantworten. Ob es eine Wehrpflicht geben wird, ist nicht bekannt. Daher kann niemand sagen, ob ein Freiwilligendienst - ob zivil oder bei der Bundeswehr - auf die dann geltende Dienstpflichtzeit angerechnet wird oder nicht. 

Wenn für dich feststeht, dass du keinen Militärdienst machen willst, kannst du schon jetzt vorsorglich den Kriegsdienst verweigern. Wie das geht, erklären wir dir oben auf dieser Seite in dem Video "So verweigerst du den Kriegsdienst". Wenn du weitere Infos brauchst oder Beratung, schau auf dem Portal der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) vorbei.